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Weltbaustelle Münster

Mai-Juli 2017

Das Wanbild in Münster zeigt eine schillernde Unterwasserwelt und greift mit verschiedenen Symbolen Themen wie Geschlechtergerechtigkeit (SDG 5) und das Leben im Wasser (SDG 14) auf.

Friedrich-Ebert-Straße 142, 48153 Münster

Das Wanbdild in Münster.

Die Weltbaustelle Münster ist vollendet! Sie war die Erste im Jahr 2017. Gemeinsam mit unseren Kooperationspartnern, dem Beirat für kommunale Entwicklungszusammenarbeit der Stadt Münster und Vamos e.V., gab es in der Zeit von Mai bis Juli 2017 ein vielfältiges Rahmenprogramm.

Hier finden Sie den Veranstaltungsflyer.

Gemalt wurde vom 10. Juni bis zum 08. Juli 2017 in der Friedrich-Ebert-Straße 142. Am 08. Juli 2017 haben wir mit circa 30 Leuten zur Eröffnung des Wanbdildes eine kleine Zeitreise durch die Wandgemälde Münsters gemacht. Mit dabei waren unter anderem Udo Schlüter, Geschäftsführer des Eine Welt Netz NRW, sowie Kajo Schukalla, Vorsitzender des Beirats für kommunale Entwicklungszusammenarbeit der Stadt Münster. An dieser Stelle auch ein herzliches Dankeschön an die LEG Immobilien AG, die uns die Hauswand zur Verfügung gestellt hat!

Seit dem 20. Juli 2017 dürfen sich alle Münsteraner neben dem offiziellen Wandbild in der Friedrich-Ebert-Straße über ein weiteres Wandbild freuen, das an der Travelmannstr. 30 / Ecke Timmerscheidtstr., 48153 Münster entstanden ist und ebenfalls von Jorge Hidalgo und Anis gestaltet wurde. Thematisch dreht es sich ebenfalls um die Ziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen. Danke deshalb ebenfalls an die Wohn+Stadtbau GmbH für die Bereitstellung dieser Wand!

Das Programm der Weltbaustelle Münster

Hier nochmal ein Überblick über die vergangenen Veranstaltungen der Weltbaustelle Münster:

10.06.2017, 11.15 Uhr: Entwurfspräsentation und Kurzinterview beim Tag der Nachhaltigkeit. Servatiiplatz, Münster.

12.06.-07.07.2017: Ausstellung der Weltbaustellen NRW. Die VHS Münster präsentiert die Ausstellung der Kampagne, die die bereits entstandenen Wandbilder des vergangenen Kampagnenjahres zeigt. Öffnungszeiten Mo + Mi 10.00 – 16.00 Uhr, Do 10.00 – 18.00 Uhr, Fr 10.00 –13.00 Uhr, VHS-Forum, Aegidiimarkt 2, 48143 Münster. Eintritt frei.

24.06.2017: Graffiti-Aktion beim 4-tel Fest. Künstler*innen gestalten eine kleine Wand zu den Themen der Nachhaltigen Entwicklungsziele. Staufenstraße 9, Münster.

29.06.2017, 20 Uhr: Best of Poetry Slam meets Weltbaustellen. Das alt bewährte Format trifft auf neue Themen! Durch den Abend führt der Tatwort-Moderator Andreas Weber. Sputnikhalle, Am Hawerkamp 31, 48155 Münster. VVK in Kürze im Cuba Nova und bei gruene wiese. VVK: 9,- // AK: 11,-, Online Tickets unter www.tatwortimnetz.de

08.07.2017, 16 Uhr: Eröffnung des Wandbildes. In Anlehnung an die Fahrradstadt Münster, wollen auch wir uns mit dem Drahtesel auf Spurensuche von Münsters Wandbildern machen. Treffpunkt: 16 Uhr vorm Cuba (unten am alten Wandbild), Achtermannstraße 10-12.

08.07.2017, 18 Uhr: 30-Jahre sind ein Grund zum Feiern! Vamos feiert Jubiläum im Cuba. Eintritt 5 Euro, Anmeldung und weitere Infos unter: enxing@vamosmuenster.de

Das Wandbild an der Montessori-Schule Münster

Unser Künstler Jorge Hidalgo ist bereits Anfang April aktiv gerworden und hat schon vor der offiziellen Eröffnung der „Weltbaustelle Münster” zusammen mit einer Schüler*innen-Gruppe an der Montessori-Schule in Münster ein Wandbild erstellt. Im Zuge einer Projektwoche hatten die Teilnehmenden die Möglichkeit am Entwurf mitzuarbeiten sowie auch selbst Hand an den Pinsel und die Spraydose zu legen.

Die Künstler*innen der Weltbaustelle Münster

In Münster wurde das Wandbild von Jorge Hidalgo (Kolumbien/Deutschland) und Joyclyn Aracena Carvajal (Chile) gemalt.

Jorge Hidalgo

Hidalgo, in Kolumbien geboren, lebt und arbeitet seit 1991 in Deutschland. Er absolvierte in den 80er-Jahren sein Kunststudium an der „Universidad de Nariño” (Kolumbien) und an der „Universidad Central” in Quito (Ecuador). Seitdem hatte er zahlreiche Ausstellungen und nahm an etlichen internationalen Performancekongressen u.a. in Ecuador, Kolumbien, Deutschland, den Niederlanden, der Schweiz, Korea, Finnland, Estland und Kanada teil. Seine Themen reichen von Armut, Hunger, Ungleichheiten und der Klima- und Wasserproblematik über den Umwelt- bzw. Regenwaldschutz bis zur Wahrung von Frieden und Gerechtigkeit. Jorge Hidalgo hat sich außerdem in der Vergangenheit bereits an zahlreichen anderen Wandmalprojekten beteiligt in denen sich auch die o.g. Themen auf eindrückliche Weise widerspiegeln

Anis
Jocelyn „Anis” Aracena, 28 Jahre alt, ist Chilenin, Frau und „muralista” (Street-Art Künstlerin). Ausgebildet wurde sie seit ihrem zwölften Lebensjahr in urbaner Malerei, einem Gebiet, das normalerweise von Männern dominiert wird. Anis ist Mitbegründerin der größten Bewegung von Wandmalkünstlerinnen in Lateinamerika „Muchachitas Pintoras”, einem Projekt, das Wandbilder und urbane Kunst im Allgemeinen benutzt, um Gewalt gegen Frauen zu bekämpfen. Durch dieses Projekt wurde gemeinsam mit anderen Wandmalerinnen eine Kampagne realisiert, die Frauen über ihre Rechte informiert und ein Support-Netzwerk gegen häusliche, sexuelle und psychische Gewalt einrichtete. Ihre Arbeit steht in Beziehung zu den Erfahrungen, die sie auf der Straße (er-)lebt hat sowie den Fragen über den weiblichen Körper im Dialog mit der urbanen Landschaft und feministischer Kritik.

Unsere Kooperationspartner in Münster

Vamos e.V.
Vamos e.V. ist eine entwicklungspolitisch tätige Nichtregierungsorganisation in Münster. Zusammen mit Partnern aus Ländern des globalen Südens setzt sich der Verein seit 1987 für weltweite Gerechtigkeit, einen ökologisch verantwortlichen Umgang mit der Erde und mehr menschenwürdige Arbeits- und Lebensbedingungen weltweit ein. Schwerpunkte der Arbeit sind Informations- und Bildungsveranstaltungen mit Hilfe von großformatigen Ausstellungen zu den Themen Sportbekleidung, Blumen, Konsum und Plastik. Vamos ist Anstellungsträger der Promotorenstelle für Münster und das südliche Münsterland. Die beiden Promotor*innen bei Vamos engagieren sich besonders für den Austausch und die Vernetzung auf lokaler und regionaler Ebene. Vamos koordinierte im Auftrag des Beirats für kommunale Entwicklungszusammenarbeit die Aktivitäten im Zusammenhang mit der Weltbaustelle Münster.

Beirat für kommunale Entwicklungszusammenarbeit
Der Rat der Stadt Münster hat den Beirat für kommunale Entwicklungszusammenarbeit eingerichtet, um den Dialog mit den lokalen Eine-Welt-Gruppen in Gang zu setzen und globale Umwelt- und Entwicklungsfragen in der Bevölkerung bewusster zu machen. Zielsetzung des Beirates ist, Wege und Möglichkeiten für eine aktive Nord-Süd-Arbeit aufzuzeigen und den Umsetzungsprozess der „Lokalen Agenda 21” zu begleiten und zu unterstützen. Der Beirat berät Rat und Verwaltung in allen Fragen der kommunalen Entwicklungszusammenarbeit, ist Ansprechpartner für entwicklungspolitisch aktive Gruppen und Akteure in Münster und spricht Empfehlungen für eine städtische Förderung lokaler Projekte aus. Der Beirat ist Träger des Weltbaustellen-Projekts in Münster.

Interview mit Jorge Hidalgo aus Kolumbien/Deutschland

Warum hast du dich dazu entschieden das Projekt „Weltbaustellen NRW” durch deine Arbeit zu unterstützen und ist dies das erste Mal, dass du politische Themen mit deiner Kunst ansprichst?

Ich habe mich dazu entschieden das Projekt zu unterstützen, da ich das Eine Welt Netz NRW und Vamos e.V.  schon seit ihrer Gründung kenne, unterstütze bzw. schon öfter mit ihnen zusammengearbeitet habe.
Meine Kunst war schon immer größtenteils politisch motiviert und hat meistens einen soziopolitischen, kritischen Hintergrund. Kunst ist für mich ein Mittel, um solche Inhalte öffentlich zu machen.

Was ist das Thema eures Wandbildes und wieso habt ihr diesen Schwerpunkt gewählt?

Die Themen des offiziellen Wandbildes der Kampagne an der Friedrich-Ebert-Str. sind die Gefährdung und Verschmutzung der Meere (SDG 14) sowie Geschlechtergleichstellung (SDG 5). Die Geschlechterproblematik ist Anis zentrales Anliegen. Die Verschmutzung der Meere habe ich wegen der Aktualität dieses Themas und der immer größer werdenden Dringlichkeit diese zu stoppen ausgewählt. Mit unserem Wandbild fordern wir insbesondere von den mächtigen Industrieländern Respekt für unsere Mutter Erde. Seit Beginn der industriellen Revolution haben sich die Länder des Nordens damit beschäftigt, alle Naturressourcen auszunutzen, auszuplündern und zu vernichten. Immer wieder hört man von der Angst vor einem dritten Weltkrieg, aber die Wahrheit ist, dass wir uns mit unseren unzähligen Atomtests in den Meeren, den Ozeanen und den Wüsten unserer schönen Erde bereits mitten in dieser Schlacht befinden. Zum jetzigen Zeitpunkt sind unsere Meere bereits radioaktiv verseucht und es gibt mehr Plastik als Fische, welche nicht nur unter den Einflüssen des verschmutzten Wassers leiden, sondern auch nach und nach vom industriellen Fischfang ausgerottet werden. So ist nicht nur die Zukunft der Natur, sondern auch die Zukunft der Menschheit in einer Seifenblase gefangen, zerbrechlich und leuchtend.

Neben diesem offiziellen Wandbild habe ich im Rahmen der Weltbaustellen-Kampagne noch an zwei weitere Wandgemälde mitgearbeitet.

Ein weiteres Wandbild ist an der Montessorischule in Zusammenarbeit mit den Schülern dieser Schule entstanden. Aufgrund des gegebenen Umgebung und des Umstandes, dass dies nicht nur mein Wandbild, sondern auch das Wandbild der Schüler sein sollte, habe ich hier das Thema Bildung für Alle (SDG 4) gewählt.

Beim dritten Wandbild an der Timmerscheidtstr. geht es nochmals um Gendergleichberechtigung (SDG 5) und die Ausbeutung sowie den „Ausverkauf“ der Natur in Südamerika und Afrika beziehungsweise um die Zerstörung der Natur und Erde im Allgemeinen d.h. um Klimawandel, Wüstenbildung, etc. (SDG 13 & 15). Die Frage die sich hier stellt lautet: „Ist es kurz vor zwölf oder doch schon zu spät??”

Hast du bereits persönliche Erfahrungen mit dem Thema eures Wandbildes gemacht?

Wer mit offenen Augen und Ohren durch diese Welt geht, wird wohl kaum vermeiden können mit Themen wie Umweltzerstörung, Vermüllung der Meere, dem Klimawandel, Ausbeutung, Krieg etc. konfrontiert zu werden. Vieles davon können wir selbst spüren oder, sofern wir unsere Augen nicht davor verschließen, zumindest die Folgen in anderen Erdteilen und im Meer mitverfolgen. Es scheint aber als sei dieses für viele Menschen immer noch nicht deutlich genug, sodass ein bedeutender Teil der Menschheit weiter mitverantwortlich dafür ist, dass diese Katastrophen immer größer werden.

Was möchtet ihr bei den Betrachtern eures Wandbildes auslösen? Welche Wirkung soll es auf seine Betrachter haben?

Ich möchte vor allem bewirken, dass zumindest einigen Menschen endlich die Augen geöffnet werden und sie erkennen, dass eine Änderung unserer Lebensweise sowie politisch-soziales Engagement unumgänglich sind, wenn wir diese Welt noch retten wollen. Wie bereits gesagt, richtet sich diese Forderung vor allem an die mächtigen Industrieländer, aber auch an die Menschen, die in diesen Ländern leben: Sie sind nicht nur in der Hauptverantwortung, wenn es darum geht, eine schlimmere Katastrophe zu verhindern, sie haben auch mit Abstand die meisten Mittel und das meiste Gewicht und sollten dies dazu nutzen, die weitere Zukunft unserer Erde positiv zu beeinflussen.

Wie würdest du eure Arbeit abschließend bewerten? Welche Herausforderungen und Chancen bietet die Zusammenarbeit mit einem Künstler aus einem anderen Land, in deinem speziellen Fall mit Anis aus Chile?

Meiner Meinung nach sollte eine solche Zusammenarbeit heutzutage in Zeiten der Globalisierung eigentlich nicht mehr etwas Besonderes da eine Rarität sein. Zum einen, da ich selbst aus Südamerika komme, aber auch im Allgemeinen war es keine Herausforderung mit Anis zusammenzuarbeiten, sondern vor allem einfach ein guter Austausch. Die Chancen bei solchen Projekten sind immer, dass es zu einem Gedanken- und Erfahrungsaustausch kommt und man so gemeinsam etwas bewirken kann. So eine gemeinsame Arbeit erweitert immer den Horizont und ist auf jeden Fall positiv zu bewerten.

Interview von Phyllis Stiller (FÖJ 2017/18)

Eine Welt Netz NRW @ 2018
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