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Fusion von BAYER und Monsanto

Demo bei der Aktionärsversammlung 2017

Eva Maria Reinwald, Südwind Institut Bonn

Unmittelbar vor dem Beginn der Bayer-Hauptversammlung am 28. April 2017 in Bonn demonstrierten Bauern und Verbraucher gegen die geplante Monsanto-Übernahme. Die Kritik der rund 50 in der Kampagne „Meine Landwirtschaft“ zusammengeschlossenen Organisationen lautet:

Da Bayer-Monsanto bei erfolgreicher Fusion zum weltweiten Marktführer im Saatgut- und Agrochemiemarkt wird, könne der Megakonzern künftig fast im Alleingang bestimmen, was Bauern pflanzen und Verbraucher essen. Außerdem bedrohe die Fusion die bäuerliche Landwirtschaft – in Europa ebenso wie im globalen Süden. Die Kartellbehörden müssten die Fusion also verhindern, so die Meinung der Veranstalter.

"Stoppt die Fusion!"

Mit einem historischen Kartoffeldämpfer, in dem symbolisch Patentscheine und Übernahme-Verträge verbrannt wurden, zeigten die Demonstranten den eintreffenden Bayer-Aktionären ihre Ablehnung der Konzentrationstendenzen im Agrarbereich. Die Aktion stand unter dem Motto „Genmanipuliert, patentiert, abkassiert – Stoppt die Bayer-Monsanto-Fusion!“ und war Teil der breiten „Stop Bayer-Monsanto“-Proteste in Bonn, zu der mehr als 300 Personen zusammenkamen. Viele Bauern waren mit ihren Traktoren angereist, um ihre Besorgnis auszudrücken. Sie sehen ihre Zukunft durch die Megafusion und die sich immer weiter ausbreitende industrielle Landwirtschaft gefährdet.

Bernd Schmitz, Milchbauer aus Hennef und NRW-Landesvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft warnte vor den Folgen der geplanten Megafusion: "Bayer und Monsanto wollen alle Bereiche der Lebensmittelerzeugung kontrollieren – vom Acker des Bauern bis zum Teller des Verbrauchers. Wir sind heute hier, weil wir nicht tatenlos zusehen werden, wie die bäuerliche Landwirtschaft zerstört wird. Warum sollen wir Bauern uns durch Megakonzerne kaputtmachen und uns ein so wertvolles Gut wie die tägliche Lebensmittelerzeugung aus den Händen nehmen lassen? Sie gehört in die Hände der Zivilgesellschaft, für die wir gerne ackern."

Aktuell findet eine noch nie dagewesene Fusionswelle im Agrarbereich statt, Dow und Dupont planen ebenso wie Chemchina und Syngenta den Zusammenschluss. Die EU-Kommission hat hierzu bereits grünes Licht gegeben. Jutta Sundermann von Aktion Agrar kritisierte die Genehmigungspraxis der EU-Kommission: "Die Fusionskontrolle auf EU-Ebene wurde über viele Jahre systematisch geschwächt. Heute werden die Auswirkungen von Elefantenhochzeiten nicht mehr ausreichend geprüft und es fehlt an Werkzeugen, um zu große Konzerne aufzusplitten. Die aktuelle Fusionswelle wird leider nicht die letzte sein. Wer für eine ökologischere bäuerliche Landwirtschaft und demokratische Mitsprache bei unserer Nahrung streitet, muss jetzt Grenzen für Konzernmacht fordern!" Nach der Fusion besäßen Bayer und Monsanto 25 Prozent aller Patente auf Pflanzen und könnten damit Saatgut-Patentgebühren erheben. Bauern müssten also für den Anbau zahlen und Verbraucher würden beim Kauf von Lebensmitteln zur Kasse gebeten.

Georg Janßen, Geschäftsführer der IG gegen Nachbaugebühren auf Saatgut sagte: „Die Patentwut von Bayer und Monsanto scheint keine Grenzen zu kennen: Mittlerweile werden nicht mehr nur Patente auf gentechnisch veränderte, sondern auch auf konventionell gezüchtete Pflanzen beantragt und erteilt. Die Bundesregierung und die anderen EU-Regierungen müssen diese unerträgliche Praxis des Europäischen Patentamts in München stoppen, denn Pflanzen und Tiere sind keine Erfindungen. Genmanipuliert, patentiert, abkassiert – nicht mit uns!"

Bayer und Monsanto geben vor, mit ihrem Geschäftsmodell aus Gentechnik, Patenten und Pestiziden den Hunger in der Welt besiegen zu wollen. Für eine gesunde ausreichende Ernährung weltweit sind aber freier Zugang zu Land, Saatgut, Wasser und Bildung elementar, so die Demonstranten. Denn Kleinbäuerinnen und -bauern stellen momentan 80 Prozent der Lebensmittel weltweit her.

Thorsten Moll, von der entwicklungspolitischen Organisation Christliche Initiative Romero verwies auf die existentielle Bedrohung von Millionen Kleinbauern durch die Fusion: „Die Lebensgrundlage vieler Menschen im Globalen Süden steht auf dem Spiel. Durch die Fusion kann Bayer sowohl die Preise für das Saatgut als auch für die Düngemittel bestimmen. So nimmt der Konzern die Bauern und Bäuerinnen von beiden Seiten in die Mangel und macht sie abhängig von industriellem Saatgut und Agrarchemikalien. Das verringert die Artenvielfalt und hat katastrophale Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit der Bäuerinnen, Bauern und ihrer Familien.“

Fusion von BAYER und Monsanto

Mehr Informationen und Fakten

Eine Bäuerin auf dem Feld betreibt in Burkina Faso traditionelle Landwirtschaft mit einer Hacke.

Foto: Florian Kopp, Misereor

Die traditionelle Landwirtschaft wie diese in Burkina Faso gilt als Gegenpol zur industriellen Landwirtschaft. Es ist hart umstritten, auf welche Weisen das Recht auf Nahrung weltweit gesichert werden kann.

Im September 2016 haben Bayer und Monsanto eine bindende Fusionsvereinbarung unterzeichnet. Das in NRW ansässige Chemie-Unternehmen Bayer übernimmt dabei den US-Saatgutkonzern mit einem Gesamtkaufpreis von rund 66 Mrd. US-Dollar. Wenn die Kartellbehörden grünes Licht geben, könnte Ende 2017 ein Unternehmen mit Sitz in NRW die globale Nummer 1 bei Saatgut, Pestiziden und Agrarchemie sein.

Als Eine-Welt-Netz NRW blicken wir mit Sorge auf diese Übernahme. Sie ist Teil einer allgemeinen Tendenz zur Marktkonzentration im Saatgut und Agrarchemiebereich, die den Einfluss großer Konzerne auf Politik und weltweite Lebensmittelproduktion erhöht und den Strukturwandel in der Landwirtschaft hin zu größeren Betrieben, die in Monokulturen gentechnisch verändertes Saatgut anbauen, vorantreibt.

Was sind die Befürchtungen?

Der Schlüssel zu einer langfristigen globalen Hungerbekämpfung und der Verwirklichung des Rechts auf Nahrung liegt jedoch vor allem in der Stärkung von kleinbäuerlichen Betrieben in den Entwicklungs- und Schwellenländern. Anstelle einer Abhängigkeit von den Saatgut-Pestizid-Paketen der Marktgiganten brauchen diese Betriebe angemessene Unterstützung, um mit eigener Kontrolle über Land, Wasser und Saatgut eine stabile und ausgewogene Ernährung zu sichern – mit Anbaumethoden, die die Qualität der Böden, die Artenvielfalt und Gesundheit der Menschen erhalten. Mit der Fusion droht das Gegenmodell noch stärker an Gewicht zu gewinnen: Die hohen Kosten der Übernahme müssen in Ländern des Südens refinanziert werden, denn in der EU stößt Gentechnik in der Landwirtschaft auf Ablehnung und in Nordamerika sind auch keine großen Profitsteigerungen mehr zu erwarten.

Daher rückt besonders Afrika in den Fokus der Bemühungen, neue Märkte zu erschließen: In Entwicklungsinitiativen wie der Neuen Allianz für Ernährungssicherung verpflichten sich eine Reihe afrikanischer Staaten zu umfangreichen Politikreformen und zu einer massiven Öffnung und Kooperation mit den internationalen Agrarkonzernen, unter anderem mit Monsanto. Durch Gesetzesverschärfungen in diesen Ländern sollen Landwirt*innen auf lange Sicht daran gehindert werden, wie bisher Saatgut frei zu tauschen oder zu verkaufen. Stattdessen soll auf industrielles Saatgut in Kombination mit Düngemitteln und Pestiziden gesetzt werden. Eine nachhaltige Strategie zur Sicherung der Welternährung sieht anders aus.

 

Mehr Informationen

Download Broschüre „Mit Agrarökologie die Ernährungswende gestalten“

Download  Broschüre „Konzernmacht grenzenlos: Die G7 und  die weltweite Ernährung“

Download Aufruf zur Unternehmensverantwortung

Link zu Brot für die Welt: Bayer-Monsanto und die neue Grüne Revolution

Ansprechpartnerin

Eva-Maria Reinwald
Fachpromotorin für Globale Wirtschaft und Menschenrechte
SÜDWIND e.V.-Institut für Ökonomie und Ökumene
Kaiserstraße 201
53113 Bonn
Tel.: 02 28 - 76 36 98-21

reinwald@remove-this.suedwind-institut.de 

www.suedwind-institut.de

 

 

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