Hauptmenü

Seiteninhalt

Fusion von BAYER und Monsanto

Protest bei der Hauptversammlung am 25. Mai 2018 in Bonn

Protest mit dem Slogan

Foto: Südwind e.V.

Protest bei der BAYER-Hauptversammlung am 25. Mai 2018 in Bonn

Die Übernahme des US-Saatgut-Konzerns Monsanto durch BAYER ist abgemacht, seitdem alle nötigen Freigeben durch Wettbewerbsbehörden erfolgten. Ein Unternehmen mit Hauptsitz bei uns in Nordrhein-Westfalen wurde so zur globalen Nummer Eins bei Saatgut, Pestiziden und Agrarchemie. Den negativ belasteten Namen Monsanto streicht BAYER im Zuge der Fusion. Ob BAYER an den oft problematischen Praktiken von Monsanto festhält und welche Auswirkungen die Geschäfte des fusionierten Unternehmen mit Blick auf die globalen Entwicklungsziele haben werden, werden zivilgesellschaftliche Akteure in Nordrhein-Westfalen kritisch beobachten.

Bei der BAYER-Hauptversammlung am 25. Mai 2018 hat Eva-Maria Reinwald unsere Kritik zum Beispiel in einer Rede auf den Punkt gebracht:

People before Profit!

Auszüge aus dem Statement von Eva-Maria Reinwald, Promotorin für globale Wirtschaft und Menschenrechte, bei der Kundgebung anlässlich der Bayer-Hauptversammlung am 25.05.2018 auf dem Platz der Vereinten Nationen in Bonn.

„Ich bin beeindruckt, von der Vielfalt an Initiativen, die sich heute auf dem Platz der Vereinten Nationen versammelt haben. Vereinte Nationen - für viele der für die Eine Welt engagierten Initiativen ist mit den Vereinten Nationen das Versprechen verbunden, dass Staaten gemeinsam Lösungen für Weltprobleme finden können, dass die Welt zusammenarbeitet auf dem Weg zu einer nachhaltigen Entwicklung, zur Durchsetzung der Menschenrechte.

Diese Hoffnung wollen wir nicht aufgeben. Aber wir sind der Überzeugung: Wir kommen ihr nur näher, wenn wir Unternehmen keine zu große Macht über das Weltgeschehen geben. Fusionen wie die von Bayer und Monsanto, die Marktmacht konzentrieren, wo sie ohnehin schon groß ist, tragen auch die Gefahr mit sich, dass sich auch der politische Einfluss vergrößert, dass Konzerne ihre Vormachtstellung noch mehr nutzen um Regulierung zu verhindern, wo sie dringend nötig wäre.

Weil der Einfluss von Wirtschaftsakteuren weltweit auch in der Vergangenheit schon groß war, ist z.B. der Schutz Menschenrechte bei Unternehmenstätigkeiten auf UN-Ebene bislang nur mit einem unverbindlichen Ansatz geregelt, durch einen Empfehlungskatalog, geregelt.  Und auf Freiwilligkeit bauende Empfehlungen werden gerne missachtet:

Beim Monsanto-Tribunal in Den Haag 2016 haben international angesehene Richterinnen und Richter bestätigt, dass Monsanto grundlegende Menschenrechte verletzt hat:

  • das Recht auf Gesundheit – z.B. durch die Vermarktung gefährlicher Substanzen wie PCB und Glyphosat,
  • das Recht auf Nahrung – z.B. durch das aggressive Marketing von Gensaatgut, das einen jährlichen Neukauf erfordert,
  • und die Freiheit der Wissenschaft – durch zahlreiche Versuche, wissenschaftliche Arbeiten in Verruf oder deren Urheber zum Schweigen zu bringen.

Lässt sich da behaupten, Monsanto werde "hervorragend und nach den höchsten Standards geführt", wie Werner Baumann von Bayer beteuert? Auch Bayer verkauft weiterhin gefährliche Pestizide in Länder des Globalen Südens. Das Unternehmen kann nicht wirklich davon ausgehen, dass in Regionen, in denen viele Menschen Warnhinweise nicht lesen können, in denen Arbeitssicherheit nicht kontrolliert wird, dass Menschen dort nur mit größter Vorsicht mit den Giftstoffen umgehen.  Eimer voll Pestizide werden an Straßenrändern gehandelt. Giftige Chemikalien ohne Schutzkleidung ausgebracht.

Menschenrechte achten hieße, Pestizide vom Markt zu nehmen, wenn in der bestehenden Anwendungspraxis wiederholt Krankheits- und Todesfälle auftreten oder deutliche Umweltschäden verursacht werden. Wir fordern daher ein verbindliches UN-Abkommen zu Wirtschaft und Menschenrechten, das Menschenrechten Vorrang vor Profit-Interessen einräumt und Betroffenen Klagemöglichkeiten eröffnet. Ein solcher UN-Treaty wird seit 2014 von einer Arbeitsgruppe der Vereinten Nationen diskutiert und braucht noch viel mehr Unterstützer. 

Wir können davon ausgehen, dass das Baysanto als künftig weltweit größter Pestizid- und Saatgutkonzern und andere Riesen des Sektors weiter versuchen werden, die globale Entwicklungsagenda in Richtung industrieller Landwirtschaft zu beeinflussen – auch im Rahmen der UN.

  • Es ist daher höchste Zeit, dass wir international den freien Zugang von Menschen zu Saatgut zu sichern.
  • Es ist höchste Zeit für den verbindlichen Schutz der Menschenrechte im weltweiten Wirtschaften.
  • Es ist höchste Zeit, den Einfluss von Unternehmen auf die globale Entwicklungsagenda einzuschränken und Gremien wie die Welternährungsorganisation zu einem Forum zu machen, das vielversprechende agrarökologische Ansätze voranbringt. 

Gegen die Macht von Bayer-Monsanto braucht es vielfältigen Widerstand, braucht es ein Aufblühen von landwirtschaftlichen Alternativen, die zeigen, wie Lösungen für Probleme wie den Klimawandel ohne Gentechnik und Pestizide aussehen. Und es braucht auch starke UN-Abkommen, UN-Recht gegen Unrecht. Deshalb stehen wir hier richtig, auf dem Platz der Vereinten Nationen.

People before Profit!“

Was sind die Befürchtungen?

Der Schlüssel zu einer langfristigen globalen Hungerbekämpfung und der Verwirklichung des Rechts auf Nahrung liegt nach unserer Auffassung vor allem in der Stärkung von kleinbäuerlichen Betrieben in den Entwicklungs- und Schwellenländern. Anstelle einer Abhängigkeit von den Saatgut-Pestizid-Paketen der Marktgiganten brauchen diese Betriebe angemessene Unterstützung, um mit eigener Kontrolle über Land, Wasser und Saatgut eine stabile und ausgewogene Ernährung zu sichern – mit Anbaumethoden, die die Qualität der Böden, die Artenvielfalt und Gesundheit der Menschen erhalten. Mit der Fusion droht das Gegenmodell noch stärker an Gewicht zu gewinnen: Die hohen Kosten der Übernahme müssen in Ländern des Südens refinanziert werden, denn in der EU stößt Gentechnik in der Landwirtschaft auf Ablehnung und in Nordamerika sind auch keine großen Profitsteigerungen mehr zu erwarten.

Daher rückt besonders Afrika in den Fokus der Bemühungen, neue Märkte zu erschließen: In Entwicklungsinitiativen wie der Neuen Allianz für Ernährungssicherung verpflichten sich eine Reihe afrikanischer Staaten zu umfangreichen Politikreformen und zu einer massiven Öffnung und Kooperation mit den internationalen Agrarkonzernen, unter anderem mit Monsanto. Durch Gesetzesverschärfungen in diesen Ländern sollen Landwirt*innen auf lange Sicht daran gehindert werden, wie bisher Saatgut frei zu tauschen oder zu verkaufen. Stattdessen soll auf industrielles Saatgut in Kombination mit Düngemitteln und Pestiziden gesetzt werden. Eine nachhaltige Strategie zur Sicherung der Welternährung sieht anders aus.

 

Mehr Informationen

Download Broschüre „Mit Agrarökologie die Ernährungswende gestalten“

Download  Broschüre „Konzernmacht grenzenlos: Die G7 und  die weltweite Ernährung“

Download Aufruf zur Unternehmensverantwortung

Download Zeitungsbeilage „Was Megafusionen für die Welternährung bedeuten“

Link zu Brot für die Welt: Bayer-Monsanto und die neue Grüne Revolution

Link zu Brot für die Welt: Blogbeitrag: "Monsanto-Deal – Eine Gefahr für die Welternährung?"

Link Zivilgesellschaftliche Proteste zur Fusion

Ansprechpartnerin

Eva-Maria Reinwald
Fachpromotorin für Globale Wirtschaft und Menschenrechte
SÜDWIND e.V.-Institut für Ökonomie und Ökumene
Kaiserstraße 201
53113 Bonn
Tel.: 02 28 - 76 36 98-21

reinwald@remove-this.suedwind-institut.de 

www.suedwind-institut.de

 

 

Eine Welt Netz NRW @ 2018
Bitte benutzen Sie zum Ausdrucken den Druckbutton am Ende jeder Seite.