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“Ich bin nicht prominent. Ich will es auch nicht sein”

Friedensaktivistin Marta Benavides aus El-Salvador war zu Gast auf der Lako 18

Jugendpresse Deutschland / Erik-Holm Langhof

Marta Benavides sprach auf der Landeskonferenz zum Zusammenhang von Frieden und nachhaltiger Entwicklung

Sie ist Menschrechtsaktivistin, war im Exil und für den Friedensnobelpreis nominiert. Trotzdem redet Marta Benavides nicht gerne über sich – über Anderes dagegen schon. Marlene Jacobsen jedenfalls hat viel von der 74-Jährigen erfahren.

Marta Benavides über ihr Leben zu interviewen ist gar nicht so leicht. „Forget about me!“, sagt die Frau mit den schneeweißen Haaren und dem leicht lateinamerikanischen Akzent. Ein Thema gibt es dann aber doch, über das sie pausenlos reden kann: Frieden.

Geboren wurde Marta Benavides 1943 in San Salvador, der Hauptstadt von El Salvador. Ihre Kindheit dort war geprägt von großer Armut und der Repression der Militärdiktatur. Von 1930 bis 1979 stand der kleine Staat in Zentralamerika unter der Gewaltherrschaft von Armeeoffizieren, die die indigene Bevölkerung des Landes nahezu vollständig auslöschten.

Trotz der Gewalt, die um sie herum herrschte, hat Benavides auch die friedlichen Seiten des Lebens kennengelernt. Ihre Eltern brachten ihr bei, die Natur zu achten und nicht als Eigentum der Menschen wahrzunehmen. Auch heute noch ist spürbar, mit welch großem Respekt Marta Benavides ihrem Umfeld begegnet.

Ein Leben für den Frieden


„Peace education“ ist ein Wort, das in einem Gespräch mit ihr häufig fällt. Unermüdlich kämpft Benavides für Umweltschutz und Menschenrechte. So soll das von ihr gegründete Netzwerk Siglo XXIII – 23. Jahrhundert, wie man auf Deutsch sagen würde – die Lebensqualität von heutigen und künftigen Generationen verbessern. Für ihr Engagement hat Benavides sich einen heiklen Ort ausgesucht: Hauptsächlich wirkt sie in Sonsonate, die als eine der gefährlichsten Städte El Salvadors gilt.

Gefahr ist Benavides allerdings gewohnt. Zu Zeiten des Militärregimes wurden Menschen wie sie, die sich für Frieden und Gerechtigkeit einsetzten, verfolgt. Wer zum Beispiel Arbeiterschutzgesetze forderte, konnte leicht als Kommunist oder Kommunistin bezeichnet werden – und das war Grund genug, umgebracht zu werden. Um diesem Schicksal zu entgehen, lebte Benavides während des salvadorischen Bürgerkrieges von 1980 bis 1992 im Exil. Unter anderem von Nicaragua und Mexiko aus engagierte sie sich für den Friedensprozess in El Salvador. Sie arbeitete für eine kirchliche Entwicklungseinrichtung und klärte die Bevölkerung über die laufenden Verhandlungen in ihrem Heimatland auf. Als es dort 1992 tatsächlich zu einem Friedensabkommen kam, war das noch kein Sieg: Denn die Lebensumstände in El Salvador waren für Benavides noch lange nicht menschenwürdig.

Die Agenda 2030 als Leitbild


Frieden, betont die 74-Jährige, gehe über den Verzicht von Gewalt hinaus. Den Rahmen für ein friedliches Zusammenleben bilden für sie die nachhaltigen Entwicklungsziele der UN, die in der Agenda 2030 stehen. Für Benavides steht außer Frage, dass diese Ziele umgesetzt werden müssen: Zurzeit besäßen zehn Menschen genauso viel wie 3,5 Billionen – eine schreiende Ungerechtigkeit, findet die Friedensaktivistin.

Allerdings motiviert sie jedes Unrecht auf der Welt auch, sich weiter für die Gerechtigkeit einzusetzen. Jahrelang arbeitete die Aktivistin für die Vereinten Nationen. 2005 war sie eine von 1000 Frauen, die für den Friedensnobelpreis nominiert waren. Trotzdem ist Benavides auf dem Boden geblieben: „Ich bin nicht prominent, und ich will es auch nicht sein“.

Doch ein bisschen Prominenz schadet ihr eigentlich nicht: Schließlich hat Marta Benavides eine Botschaft an alle Jugendlichen. Diese sollten sich mit der Agenda 2030 und aktuellen Nachrichten auskennen – nur so können sie eine bessere Zukunft gestalten. Die Friedensaktivistin hat nicht nur das Wohl heutiger Generationen im Blick: „Ich will auch, dass unsere Enkel und Urenkel glücklich sind“. Sich selbst stellt Marta Benavides vielleicht nicht gerne in den Vordergrund – aber eine Menge zu sagen, das hat sie auf jeden Fall!

Dieser Text entstand während eines Projekts von politikorange – dem Medium der Jugendpresse Deutschland.

Marta im Interview

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