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Vernetzung und neue Ideen

in vielfältigen Workshops

Ziviler Friedensdienst in Zeiten des Umbruchs

Philippinen

In seinem Workshop hat der deutsche Filmemacher Manuel Domes über seine Arbeit auf den Philippinen gesprochen und zusammen mit den Teilnehmer*innen über Eine-Welt-Arbeit zum Thema Frieden diskutiert. Felicia Herrmann von politikorange war dabei.

Artikel "Filipinos, Filme, Frieden"

Die Schulklasse ist weihnachtlich geschmückt, an der Decke hängt rotes Lametta, auf der Tafel steht Merry Christmas. Vor dem Pult steht eine Frau mit Kopftuch – die Lehrerin.

Die Szene stammt aus einem Film. Auf den ersten Blick wirkt sie friedlich, allerdings spielt sie an einem konfliktreichen Ort: den Philippinen. In dem bevölkerungsreichen Land stehen religiöse und politische Konflikte an der Tagesordnung. Gewaltbewältigung bleibt häufig ein Versuch. Diese Lebensrealität verarbeitet der Deutsche Manuel Domes mit philippinischen Filmemachern in bewegten Bildern. Ihr Projekt „The Long Reach of Short Films: Telling Stories of Peace in Mindanao” zeigt den Inselstaat in all seinen Facetten, auch den grausamen.

Wie kommt jemand wie Domes dazu, sich mit den Philippinen zu befassen? Der junge Mann war nicht immer in der Filmbranche tätig, dafür arbeitet er schon lange auf dem Inselstaat: Mit dem Forum Ziviler Friedensdienst, einem Zusammenschluss aus mehr als vierzig Hilfsorganisationen, hat Domes vier Jahre lang Konflikt- und Dialogarbeit auf den Philippinen geleistet.

Nun zeigt Domes der Öffentlichkeit, wie weitreichend die Probleme in dem Land sind. Seitdem der frühere Bürgermeister der Stadt Davao City, Rodrigo Duterte, im Jahr 2016 das Amt des Präsidenten übernommen hat, sind bereits mehr als 20.000 Philippinerinnen und Philippiner für kriminell erklärt und ermordet worden.

Häufig konzentriert sich Domes in seinen Filmen auf diese alltägliche Gewalt. Eines seiner Hauptthemen sind die Spannungen zwischen der christlichen Mehrheit und der muslimischen Minderheit.

Der Konflikt zwischen den beiden Gruppen hat eine lange Geschichte. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts haben die Spanier die Philippinen kolonialisiert. Sie haben die überwiegend muslimische Bevölkerung zum katholischen Glauben bekehrt – oder es zumindest versucht. Die Bewohnerinnen und Bewohner der südlichen Insel Mindanao widersetzten sich den Spaniern. Das hatte weitreichende Folgen: Noch heute prägen Konflikte zwischen muslimischen Rebellenbewegungen wie der Islamischen Befreiungsfront der Moros und der philippinischen Regierung das Land. Bei den gewaltsamen Kämpfen sind zahlreiche Menschen geflohen oder ums Leben gekommen.

Wie der Alltag auf den Philippinen wirken auch Domes’ Aufnahmen oft bedrohlich. Da ist zum Beispiel ein Motorrad, das einen kaum befestigten Weg entlangrast. In einer anderen Szene werfen Schablonen unheimliche Schattenbilder. Wiederum in einer anderen Szene sprechen Männer über die Eroberung der Stadt Marawi, die zahlreiche Menschenleben gekostet hat.

Laut Domes ist es für das Forum Ziviler Friedensdienst seit Dutertes Machtergreifung schwerer geworden, auf den Philippinen zu arbeiten: Einerseits unterstütze der Präsident den Friedensprozess im Land, andererseits erschwere er die Arbeit der NGO’s, indem er Kämpfe zwischen rivalisierenden Gruppen anstachele.

Domes hat allerdings auch Positives zu berichten. Die Konflikte im Süden der Philippinen bleiben nicht ohne Resonanz. Nach der Schlacht um Marawi haben vor allem weibliche muslimische Geflüchtete eine Rettungsbewegung namens “Ranao Rescue Team” gegründet. Sie hilft Zivilistinnen und Zivilisten dabei, aus umkämpften Regionen zu fliehen.

„Marawi zeigt: Die Zivilgesellschaft ist lebendig“, sagt Manuel Domes. Eine tröstende Botschaft für die Teilnehmenden seines Workshops, die nach dem Vortrag fasziniert und aufgewühlt sind.

Dieser Text entstand während eines Projekts von politikorange – dem Medium der Jugendpresse Deutschland.

Vielfalt und Interkultur

in der Praxis der Eine-Welt-Arbeit

Der Workshop rückte die interkulturelle Öffnung der Eine Welt Arbeit ein weiteres Mal in den Fokus der Diskussion auf der Lako. Die Zivilgesellschaft steht weiterhin vor der Querschnittsaufgabe, Migrant*innen vielfältig einzubeziehen.

Zusammenfassung des Workshops

Dabei ist, wie von Teilnehmenden betont, der derzeitige Aushandlungsprozess entscheidend: Nicht nur interkulturelle Kompetenz, sondern gesellschaftliche Teilhabe aller sollte das Ziel sein. Migrantenorganisationen können dabei eine Bindegliedsfunktion übernehmen. Dazu ist das Ausprobieren von Kooperationen und Methoden, die gegenseitige Akzeptanz und die Qualifizierung von Akteuren notwendig. Das Eine Welt Netz NRW hat im letzten Jahr mit der Erweiterung des Eine-Welt-Promotorenprogramms um Interkulturelle Promotor*innen einen großen Schritt gemacht. Diese stellten ihre Praxisprojekte im Workshop vor:

Naima El Hasbouni vom Forum für soziale Innovation berichtete von Empowerment Days, auf denen Migrantenorganisationen gestärkt werden, selbst aktiv zu werden. Die Plattform Diaspora NRW bündelt Erfahrungen und Forderungen.

Dorsa Moinipour von migrafrica Köln stellte ihre Veranstaltung „Open Up-Wie beweglich sind Institutionen?“ vor, die dazu führte, dass die Stadt Köln erst den Verein in das Projekt „Einwanderung gestalten in NRW“ einbezog.

Yammen Al Shumali vom berichtete von verschiedenen Projekten des Internationalen Begegnungszentrum Bielefeld, die den interkulturellen Austausch fördern.

Im Anschluss diskutierten die Teilnehmer*innen mit den Referent*innen Möglichkeiten der interkulturellen Öffnung in ihrem eigenen Arbeitskontext als Haupt- und Ehrenamtliche der Eine Welt Arbeit.

Wenn JUGEND RETTET

Seenotretteung auf dem Mittelmeer

Thomas Schmidt und Wilko Beinlich sind zwei junge Männer mit einem gemeinsamen Ziel: Menschen aus Seenot zu retten. In einem von OpenGlobe organisierten Workshop haben sie den Teilnehmenden und Samira El Hattab von politikorange von ihrer Arbeit für die Organisation Jugend Rettet berichtet. Die zivilgesellschaftliche Unterstützung sei gerade jetzt sehr wichtig.

Interview "Naivität erwünscht"

Samira: Wie seid ihr ihr dazu gekommen, für Jugend Rettet zu arbeiten?

Thomas: Ich habe auf Facebook gesehen, dass es die Organisation gibt und dass die jugendlichen Veranstalterinnen und Veranstalter sich ein Schiff kaufen wollen. Mein erster Gedanken war sofort: Das wird ja nichts! Wenn Jugendliche aufs offene Meer wollen, um Seenotrettung zu betreiben, muss jemand mit Erfahrung dabei sein.
In einer Mail an die Jugendlichen habe ich etwas großspurig geschrieben, dass ich diese Erfahrung als Schiffbaustudent mitbringe. Dann kam gleich die Antwort, dass sie mich dabei haben wollen. Als ich dann in die Arbeit involviert worden bin, habe ich schnell gemerkt, dass da doch schon ganz schön viel Ahnung drin steckt.

Wilko: Den gleichen Hintergrund habe ich auch. Ich bin Nautiker und fahre beruflich zu See. Mich hatte damals ein Kumpel angerufen, der im Kernteam von Jugend Rettet arbeitet. Er meinte: ‘Hey, du kannst doch ein Schiff fahren! Wir brauchen da deine Hilfe.’
Das Tolle an Jugend Rettet ist für mich gerade das: diese naive Herangehensweise. Zwar wird uns das auch immer wieder vorgeworfen, doch ich sehe darin eigentlich einen Vorteil. Eine große Organisation würde vielleicht bei der einen oder anderen Hürde einknicken, bei der wir eher versuchen, einen neuen Ansatz zu finden, also “out of the box” zu denken.
Und dass wir damit Erfolg haben, sieht man ja schon an der Tatsache, dass aus der Idee, die ursprünglich mal ein 18-Jähriger hatte, eine Organisation geworden ist, die innerhalb von zwei Jahren schon über 14.000 Menschenleben gerettet hat.


Wie sieht euer Alltag als Seenotretter aus?

Wilko: Ich mache die aktive Rettung und bin auf der IUVENTA, unserem Schiff, der Steuermann. Ein “normaler Tag” auf See fängt damit an, dass wir Ausschau halten, ob wir ein Boot entdecken oder über eins informiert werden, das wir retten müssen. Ist das der Fall, werden zuerst die Rettungsboote startklar gemacht. Nachdem sie ins Wasser gesetzt worden sind, gibt es einen ersten Kontakt zu den Menschen in Not. Dabei wird festgestellt, in welcher Situation sich ihr Boot befindet. Wir klären, ob es Verletzte, Tote, Kinder oder Schwangere gibt, die akut Hilfe benötigen. Danach fangen wir an, Rettungswesten zu verteilen, denn die Rettungswesten, die die Menschen wahrscheinlich für viel Geld von Schlepperbanden gekauft haben, sind meist Fälschungen. Wenn wir Menschen retten müssen, nehmen wir sie mit auf unser Schiff, um sie an größere Einheiten weiter zu geben, die sie dann zum italienischen Festland bringen.

Thomas: Ich hoffe meist, dass ich nichts zu tun habe: Denn ich fange an zu arbeiten, wenn die die IUVENTA in eine Notsituation gerät. Ich bin also ständig in Bereitschaft.


Wie seid ihr untereinander vernetzt? Gibt es regelmäßige Treffen in Deutschland?

Thomas: In den Städten ist es häufig so, dass sich die Leute regelmäßig treffen. In Bremen und Hannover gibt es zum Beispiel jeden Monat einen Stammtisch. Das Berliner Team trifft sich sogar häufiger, weil sie wesentlich stärker in die Arbeit involviert sind und dort auch unser Büro liegt. In anderen Gegenden sind die Leute auch wirklich allein unterwegs. Wir versuchen aber ein- bis zweimal im Jahr, mindestens ein Botschaftertreffen auf die Beine zu stellen, um alle Helferinnen und Helfer zusammenzubringen.


Wilko, du hattest vor dem Interview erzählt, dass du schon Todesdrohungen bekommen hast. Wie erklärst du dir das und wie bist du damit umgegangen?

Wilko: Einige Populisten, wie Pegida und die AFD, versuchen eine negative Wirkung zum Thema Flüchtlinge publik zu machen. Sie predigen eine Verallgemeinerung von einigen wenigen sehr schlechten Beispielen, bei denen sich Flüchtlinge kriminell verhalten haben. Dieses “Über einen Kamm scheren” ist einfach. Leiden müssen unter solchen Generalisierungen Menschen, die sich nicht wehren können. Das finde ich sehr, sehr traurig. Alle diese Menschen, die wir gerettet haben, haben eine Familie, ein Schicksal. Ich bin unheimlich froh darüber, dass wir dazu beitragen, die Geschichten dieser Leute neu zu erzählen.

Thomas: Wie man damit umgeht, hängt von der Persönlichkeit ab. Einige unserer Mitglieder finden es schwierig, auf Hass und Todesdrohungen zu reagieren, einigen fällt es leicht. Man darf es generell nicht persönlich nehmen und muss sich bewusst sein, dass man in dem Moment eigentlich nur eine Projektionsfläche für die Ängste und Gedanken einer gewissen Gruppe von Menschen ist, die das Gefühl haben , den Halt zu verlieren.


Jetzt mal zu einem positiven Aspekt eurer Arbeit. Wilko, was war dein schönster Moment, den du auf See erlebt hast?

Wilko: Er ereignete sich gleich bei meiner ersten Rettung. Sehr weit draußen auf See hatten wir ein kleines Holzboot entdeckt, zu dem wir eines der Rettungsboote vorgeschickt hatten, um die Leute erst einmal in Sicherheit zu bringen. Bis die IUVENTA ankam, dauerte es noch ein wenig.Die Menschen haben von uns Rettungswesten und Wasser bekommen und alles war in diesem Moment für’s Erste gut. Weil sie durch die Sicherheit wieder einen Hoffnungsschimmer bekommen  haben, hat sich etwas bei diesen Menschen gelöst und sie haben angefangen, “Halleluja” zu singen. Ein ganzes Boot voller Menschen, die Todesängste erlitten haben und nun voller Hoffnung singen – das berührt einen. Dieses positive Erlebnis begleitet mich bis heute auf jeder Mission.


Was muss ich mitbringen, um bei Jugend Rettet mitzumachen?

Thomas: Grundsätzlich mitmachen kann man entweder, indem man sich für die Schiffsbesatzung bewirbt oder als Botschafter an Land arbeitet. Wenn man gerne mit auf das Schiff möchte, haben wir einen Bewerbungsprozess, bei dem wir testen, ob die- oder derjenige geeinigt ist. Zuerst stellen wir Bewerberinnen und Bewerbern die Frage: Was bringst du mit? Wir nehmen aber nicht nur erfahrene, sondern auch Leute mit, die einfach motiviert sind. Dabei sind war aber nicht leichtsinnig: Wir machen deutlich, dass die Fahrt nicht nur ein Abenteuer ist. In extremen Situationen muss man sich in unserem Team aufeinander verlassen können.


Stichwort Ursachenbekämpfung. Wenn ihr eine halbe Stunde Zeit mit der Bundeskanzlerin hättet, was würdet ihr ihr sagen?

Wilko: Ich kann das kurz fassen: 2015 hat Frau Dr. Merkel den schönen Leitspruch “Wir schaffen das” gesagt. Ich dachte dann: Super, damit kannst du dich identifizieren! Dann hat 2017 die CDU mit einem Deutschland geworben, “in dem wir gut und gerne leben” wollen. Ich habe mal versucht, mit einem CDU-Abgeordneten über diesen Slogan zu sprechsn. Wer ist wir? Und was versteht die CDU unter “gut leben”? Darauf habe ich öffentlich im ZDF keine Antwort zu bekommen. Daher würde ich von Frau Merkel gern wissen: Was ist das für ein Deutschland, in dem” wir gut und gerne leben” wollen?

Thomas: Das ist eine gute Zusammenfassung, die mag ich! Ich würde aber in den 30 Minuten schon noch etwas weiter gehen. Ich bin der Überzeugung, dass, wenn man die Möglichkeit zur Zusammenarbeit zwischen Menschen nutzt, das im Endeffekt zu einem positiven, effektiven und fortschrittlichen Zusammenleben führt. Miteinander ist besser als drumherum zu reden!Vielleicht sind die Menschen, die wir draußen auf dem Meer retten, möglicherweise diejenigen, die uns in der Zukunft zu irgendetwas Coolen verhelfen. Jeder Mensch, den wir retten, bringt Erfahrungen mit und die können uns in Deutschland vielleicht irgendwann mal helfen. Wir müssen nur zuhören.

Dieser Text entstand während eines Projekts von politikorange – dem Medium der Jugendpresse Deutschland.

Die neue Strategie 2023

des Weltladen-Dachverbandes

Seit einem Jahr arbeitet der Weltladen-Dachverband (WL-DV) an einer neuen Strategie. In dem Workshop stellten Nicola Krümpelmann und Nadine Busch vom WL-DV den Entwurf vor und sammelten Anregungen und Kritikpunkte.

Zusammenfassung des Workshops

Nach einer kurzen Einführung zum WL-DV und dem Strategie-Prozess wurden wichtige Erkenntnisse über Weltläden aus der Analyse erläutert. Anschließend standen die Vision der Weltladen-Bewegung und die darauf basierende Vision des WL-DV mit den dazugehörigen Zielen sowie konkreten Maßnahmen wie einigen Konventions-Anpassungen im Fokus. Die Teilnehmer/innen haben über die Zukunft des Ehrenamts diskutiert und gefordert, das Thema Nachwuchs höher zu priorisieren. Als wichtig wurden ebenfalls die Themen Entlastung der Weltläden und das Einzelhandelssterben gesehen. Auch auf die Antragsstellung bei der Stiftung Umwelt und Entwicklung sowie die Befähigung zur Beteiligung an öffentlichen Vergaben der Kommunen wurde hingewiesen.

In den nächsten Wochen werden die Rückmeldungen verschiedener Veranstaltungen und der Online-Befragung ausgewertet und der Strategie-Entwurf entsprechend überarbeitet. Anfang Juni 2018 soll dann bei der Mitgliederversammlung eine gemeinsame Strategie verabschiedet werden.

Hier steht der Strategie-Entwurf als Kurz- und Langfassung zum Nachlesen bereit

Hier gibt es die Präsentation des Weltladen Dachverbands zum Download

Fair-Telefoniert - mein Umgang mit Mobiltelefonen

Konsumkritischer Stadtrundgang

Welche Folgen hat unsere Gier nach den neusten Handy-Trends? Und wie können wir Handys fairer nutzen? Antworten auf beide Fragen haben Teilnehmende und Marlene Jacobsen von politikorange bei einem konsumkritischen Stadtrundgang mit Evren Sinar von den Greenwalkern Bonn gefunden.

Artikel "Nachhaltige Nutzung statt Konsum-Kick"

Ein afrikanisches Kind auf einem Schrotthaufen, schuftende Minenarbeiter – und die Werbung für das neueste Handy von Vodafone. Diese Fotos betrachten wir – das sind um die zehn Menschen, die sich für das Thema Nachhaltigkeit interessieren – im Zentrum von Bonn. Wir nehmen an einem „konsumkritischen Stadtrundgang“ teil, der uns lehren soll, wie wir verantwortungsvoller mit unseren Handys umgehen können. Organisiert wird das Ganze von Evren Sinar, die für die Initiative “Greenwalker” öfter Leute durch Bonn führt.

Die Bilder, die sie uns zeigt, haben vor allem eine Wirkung: Wir fühlen uns ein bisschen schuldig. Eigentlich ist uns längst bewusst, dass die Herstellung unserer Elektrogeräte auf Kosten der Umwelt und dem Wohlergehen von Menschen aus anderen Ländern geht – so sichtbar wie auf dem Stadtrundgang bekommen wir das trotzdem selten vor Augen geführt.
Nachhaltigkeit ist kaum gefragt

Evren Sinar erklärt, dass unsere Handys Rohstoffe wie Coltan, Eisenerz und Kupfer enthalten. Abgebaut werden diese unter anderem im Kongo, wo schon lange ein blutiger Bürgerkrieg herrscht. Viele Minen befinden sich in der Hand von Milizen, die durch den Verkauf der Rohstoffe Waffen finanzieren. Das heißt: Kaufen wir uns in Deutschland das neueste Smartphone, schüren wir damit die Konflikte in rohstofffördernden Ländern.

Und unser Konsum ist gewaltig: Allein 2017 sind weltweit mehr als 1,4 Milliarden Smartphones verkauft worden, einige davon sicher auch in der Telekom-Filiale in der Bonner Innenstadt, an der wir als nächstes Halt machen. Ein Mitarbeiter weist uns darauf hin, dass das Ladenangebot keine nachhaltig produzierten Geräte umfasst. Nur sehr selten komme es vor, dass jemand nach fairen Smartphones frage.

Trotzdem gibt es bei der Telekom zumindest eine Möglichkeit, den Konsum fairer zu gestalten. So können Kunden so genannte „refurbished“ Handys kaufen, die nur kurz benutzt und dann umgetauscht worden sind. Normalerweise, erzählt uns der Verkäufer, gehen solche Geräte nicht mehr in den Handel. Das läge auch an den Kunden, die meist die neusten Produkte haben wollen.
Handys werden in Schubladen gehortet

Viele Menschen kaufen ständig neue und entsorgen alte Handys, obwohl diese teilweise noch völlig in Ordnung sind. In deutschen Schubladen liegen etwa 80 Millionen aussortierte – größtenteils noch funktionsfähige – Mobiltelefone.

Stadtführerin Sinar will von uns wissen, wie viele Handys wir bisher gehabt haben und wie viele von denen bei uns zu Hause herumliegen. Beides sollen wir auf einem Plakat angeben. Manch ein Teilnehmender kommt mit dem Zählen seiner Mobiltelefone gar nicht mehr hinterher. Ist das nicht ein alarmierendes Zeichen dafür, dass wir dringend etwas an unserem Konsumverhalten ändern sollten? Mit jedem Handy, das wir nicht brauchen, verschwendeten wir Rohstoffe: Denn von insgesamt 60 Materialen, die in einem Gerät stecken, können wir nur 17 wiederverwerten.
Geht es auch anders?

Doch nicht alle Handys müssen wir verschwenden. Recyclingunternehmen wie „teqcycle“ bieten Möglichkeiten, alte Geräte wiederzuverwerten. Die Firma richtet Sammelstellen für alte Handys ein, die weiter vermarktet oder recyclet werden.

Wer lieber direkt nachhaltig konsumieren möchte, kann sich auch ein „fairphone“ zulegen. Die Rohstoffe des „grünen Geräts“ kommen aus geprüften Minen und werden unter sicheren Bedingungen verarbeitet. Seit 2013 sind bereits über hunderttausend „fairphones“ verkauft worden.

Wahrscheinlich haben Kunden, die sich vor fünf Jahren ein “grünes Handy” zugelegt haben, auch heute noch etwas von ihm – „fairphones“ sind ausgesprochen langlebig. Darüber hinaus lassen sie sich leicht reparieren. Bei vielen anderen Handymarken ist das hingegen schwer. Das liegt daran, dass Handy-Hersteller von einem Neukauf mehr als von einer Reparatur profitieren.

Den Inhaberinnen und Inhabern der „ReparierBar“ passt diese kapitalistische Denkweise gar nicht. Einmal im Monat veranstalten sie in dem Geschäft in der Bonner Altstadt „reparicafés“. Dabei werden nicht nur Handys, sondern Elektrogeräte aller Art wieder auf Vordermann gebracht. So lassen sich auch herkömmliche Mobiltelefone meist noch jahrelang nutzen.

Sollte das Handy dann doch irgendwann den Geist aufgeben, sollte die Devise “Recycling” lauten. Jeder könne sich nach Handy-Sammelstellen in der Nähe erkundigen, sagt „Greenwalkerin“ Sinar. Ein guter Tipp: Gehen wir in Zukunft nachhaltiger mit unseren Elektrogeräten um, brauchen wir auch nicht mehr so ein schlechtes Gewissen haben.

Dieser Text entstand während eines Projekts von politikorange – dem Medium der Jugendpresse Deutschland.

Fundament oder Stolperstein

wenn Partnerschaftsarbeit auf Politik trifft

„We have to do our homework!“ – das betonte Marta Benavides auch noch einmal ganz energisch am Nachmittag des zweiten Konferenztages in Bonn. Sie eröffnete damit eine intensive Diskussion mit Ulrike Thönniges vom TATORT – Straßen der Welt e.V., Gabriela Schmitt vom Südafrika Forum NRW und den 25 Teilnehmer*innen des Workshops. 

Mehr zum Workshop

Die Gründung des Vereins TATORT erfolgte 1998 im Nachgang zu den Dreharbeiten des legendären WDR-Krimis "Manila". 20 Jahre ist es her, dass erstmals ein Sonntags-Abend-Krimi mit einem entwicklungspolitischen Bezug gedreht wurde und seit dem setzten sich bekannte Schauspieler*innen wie Dietmar Bär,  Klaus J. Behrendt, Joe Bausch und weitere Mitarbeiter*innen des WDR weltweit für Kinderrechte ein – vor allem auf den Philippinen und in neuer Zeit auch in Swaziland im Südlichen Afrika. Bildungsprojekte, der Schutz  junger Menschen vor Ausbeutung und eine Impfkampagne gehören genauso zur Arbeit von TATORT e.V. wie die Unterstützung des Fairen Handels – vor allem durch die Mango Monkeys zum Karneval in Köln. Monika Thönnies  sieht durchaus die Freiheiten einer Organisation, die in der Hauptsache von Spenden und Sponsoring lebt und an keine staatliche Förderung gebunden ist.


Die Arbeit des Südafrika Forum NRW stellte Gabriela Schmitt vor. Ursprünglich wurde die Partnerschaft zwischen den Regierungen der südafrikanischen Provinz Mpumalanga und der des Landes Nordrhein-Westfalen im April 1995 gegründet– in Solidarität mit dem neuen, unabhängigen Land und zur Unterstützung der jungen Demokratie. Berufliche Bildung, die Förderung kleiner und mittlerer Unternehmen und der Wohnungsbau standen  im Vordergrund. Im weiteren Verlauf kamen Themen wie gute Regierungsführung, Gesundheit, Bildung, Jugend, Sport Gesundheit und HIV/Aids, Sport und Jugend als Felder der Zusammenarbeit hinzu. Seit dem Jahr 2013 ruht die vertraglich verfasste Zusammenarbeit auf Regierungsebene. Im Jahr 2001 entstand auf zivilgesellschaftlicher Seite das Mpumalanga Forum NRW, unter dessen Dach sich diverse Organisationen, Initiativen und Partnerschaftsgruppen zusammentaten. In den 15 Jahren der Zusammenarbeit entstanden Verbindungen über die Grenzen Mpumalangas hinaus in  die Provinzen Gauteng, Free State, Limpopo, Western Cape, weshalb das Forum 2015 in Südafrika Forum NRW umbenannt wurde. Die Wirkung des zivilgesellschaftlichen Engagements in der Partnerschaftsarbeit entfaltet sich in vielfältigen Projekten, auch wenn die  vertraglich verfasste Kooperation ruht.


Was passiert, wenn wir mit unserer Arbeit politischer werden? Wofür entscheiden wir uns, wenn wir ein klassisches Hilfsprojekt realisieren könnten, die Menschenrechte unserer Partner jedoch bedroht sind und wir unsere Arbeit nicht weiter führen können, wenn wir auf solche Situationen aufmerksam machen? Das waren die Fragen, mit der sich die Teilnehmer*innen im Anschluss an die beiden Inputs beschäftigten. Es wurde deutlich, dass wir in der internationalen Partnerschaftsarbeit durchaus unterschiedliche Herangehensweisen als erfolgreich erlebt haben. Wir brauchen die strukturiert und kontinuierlich arbeitenden Projekte und Organisationen, die häufig an politische Entscheidungen und Verwaltungsvorgänge gebunden sind. Und wir brauchen sie genauso, die Unabhängigen, die Bewegungen von Unten – die aufschreien und anklagen. Immer, wenn es nötig ist!


Motivierende Schlussworte fand auch an dieser Stelle wieder unser Gast aus El Salvador: Marta Benavides sieht international Kooperationen und Partnerschaften als Fundament für eine friedliche Entwicklung. Gemeinsame politische Kampagnen zu den SDG können die notwendige Öffentlichkeit schaffen und den erforderlichen Druck auf die politischen Entscheider*nnen ausüben, um die Ziele der Agenda 2030 tatsächlich umzusetzen. Vor allem die kleinen NGO und zunehmend die nicht an feste Strukturen gebundenen und flexible organisierten politischen Bewegungen haben die Kraft und die Energie, eine Veränderung zu erreichen. “Every project is a peace in the big puzzle and everything what we are doing is political!“

Vom Wissen zum Handeln

Wie gelingen entwicklungspolitische Ausstellungen

Wie gelingt eine Ausstellung über Entwicklungspolitik? Das wollte Niklas Thoms von Stefanie Neumann im Workshop „Vom Wissen zum Handeln“ wissen. Die Tipps der Referentin für Bildungs- und Kampagnenarbeit gibt‘s im Artikel. 

Artikel "Was funktioniert wahrscheinlich meistens"

„Einen goldenen Weg zu einer erfolgreichen entwicklungspolitischen Ausstellung gibt es nicht!“, sagt Stefanie Neumann zu Beginn ihres Workshops – und zerstört (oder erfüllt?) damit wohl die Erwartung manch eines Teilnehmenden. Doch wenn die Referentin für Bildungspolitik beim Verein Vamos das denkt, dann stimmt es wohl auch: Seit vielen Jahren konzipiert Neumann Ausstellungen, mit denen sie versucht, Menschen für entwicklungspolitische Themen zu sensibilisieren. Und eben jene Menschen sind einfach jedes Mal zu unterschiedlich, als dass sie ein immer gleiches „Erfolgsrezept“ anbieten könnte.


Das “Wer” und das “Wie” zählen

Einige Tipps kennt Neumann aber dennoch: Oft steht und fällt die Beliebtheit einer Ausstellung mit den Besucherinnen und Besuchern. Bevor es mit der inhaltlichen Arbeit so richtig losgeht, sollte man sich deshalb viel Zeit für eine genaue Definition der Zielgruppe nehmen, rät die Expertin. Dabei darf man ruhig auch mal kreativ werden und neue Wege gehen. „Vor einer Ausstellung, die wir für den Schulkontext erstellt haben, sind wir beispielsweise schon in der Planungsphase an die Schülerinnen und Schüler herangetreten.” So hat man bereits früh viel über die Interessen und möglichen Zugänge zur Zielgruppe erfragt. Solche Informationen seien unglaublich wichtig, betont Neumann – auch wenn sie natürlich nicht garantieren, dass das hinterher entwickelte Konzept bei jeder Gruppe Anklang findet. „Was bei einer Zielgruppe super klappt, kann bei der nächsten auch mal völlig schiefgehen.” Eine gewisse Frustrationstoleranz sei als Workshopleiterin oder -leiter daher hilfreich. Im Grunde, meint Neumann lächelnd, könne man sich sogar immer nur fragen: Was funktioniert wahrscheinlich meistens?


Ethische Dilematta

Ist die Zielgruppe definiert, kann es mit der inhaltlichen und organisatorischen Planung losgehen. Dabei muss deutlich mehr als die Frage „Was drucke ich wohin?“ beachtet werden. Zum Beispiel spielt auch das „Worauf“ eine Rolle. Oft erschwert das Kriterium „Nachhaltigkeit“ die Auswahl der verwendeten Materialien.

Richtig schwierig wird es, wenn zusätzlich Richtlinien beachtet werden müssen. Neumann hat schon Erfahrungen mit Regelungen zum Brandschutz gemacht. „Oft müssen wir dann doch auf Polyester zurückgreifen, weil man beispielsweise für Baumwolle einfach zu viele Chemikalien benötigt, um dem Brandschutz gerecht zu werden“, berichtet sie. Nun ist Polyester als Material nicht gerade nachhaltig – für die Herstellung der Kunstfaser wird Rohöl verwendet. Zum Problem wird das, wenn es in der Ausstellung etwa um die Vermeidung von Plastikmüll geht. „Dieser Widerspruch fällt vielen Teilnehmern natürlich auf und sie fragen nach”, sagt die Referentin.

Ähnlich komplizierte Erfahrungen in Sachen Nachhaltigkeit hat Neumann in Ausstellungn gemacht, die Teilnehmende zu umweltfreundlichem Handeln bewegen wollen. Oft werden Informationen für die Ausstellungen über Tablets verbreitet worden – die Geräte eignen sich dafür am besten. Manche Anwendungen funktionieren allerdings nur auf Geräten, die unter „unfairen“ Bedingungen produziert werden. Auch dann hagele es oft Fragen, sagt Neumann  – und schiebt schnell ein „völlig zu recht natürlich“ nach.

Wie geht man als Ausstellerin oder Aussteller mit solchen Dilemmata um? Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Workshops sind sich einig: “ehrlich und direkt” ist der beste Weg, um Konflikte zu kommunizieren. „Solche Entscheidungen würde ich immer offen ansprechen oder sogar in die Ausstellung integrieren“, sagt eine Frau. So könnten Transparenz und Vertrauen zwischen dem Workshopleitenden und den Teilnehmenden entstehen.


Vom Wissen zum Handeln mit Blümchenpower

Seine Absichten offenzulegen ist für eine Ausstellerin oder einen Aussteller auch dann wichtig, wenn sie oder er Menschen zum Handeln bewegen will. Genau das sei oft die größte Schwierigkeit, sagt Neumann. Deswegen achten sie und ihr Team darauf, dass Ausstellungen und Bildungsangebote stets auch praktisch ablaufen. Beim Projekt „fair flowers“ verteilen Kinder beispielsweise Blumen, um Passantinnen und Passanten dazu anzuregen, sich über die Herkunft des Grünzeugs Gedanken zu machen. Bei der Wanderausstellung „planet plastic“ haben Neumann und ihr Team Menschen zu einer zweiwöchigen „no-plastic-challenge“ – dem weitgehenden Verzicht auf den Kunststoff – angeregt. Ihre Erfolge konnten die Teilnehmenden in einer “App” messen, die auch Informationen zum Thema Plastik angezeigt hat. Mit solchen Herangehensweisen habe sie gute Erfahrungen gemacht, berichtet Neumann.

Zudem sei es auf jeden Fall hilfreich, die Zielgruppe interaktiv einzubeziehen. Geschehen kann das schon während der Planung oder durch Teilhabe während der Ausstellungen. Ganz falsch sei es hingegen, mit „erhobenem Zeigefinger“ aufzutreten – stattdessen sollte sich der Referierende lieber permanent selbst überprüfen, rät Neumann. In jeder Planungsphasen sollte er sich fragen: „Wer bin ich?“, „Wo will ich hin?“, „Wen will ich erreichen?“ und „Wie politisch will ich sein?“

Am Ende des Workshops ist deutlich geworden, was Stefanie Neumann schon zu Beginn verkündet hat. Einen „goldenen Weg“, wie sich entwicklungspolitische Ausstellungen erfolgreich gestalten lassen, gibt es nicht. Dafür sollte jede Referentin und jeder Referent einige “goldene” Kompetenzen mitbringen: Die Fähigkeit, Entscheidungen zu reflektieren und gegebenenfalls zu korrigieren gehört ebenso dazu wie die Meinung anderer anzuhören und wertzuschätzen.

Dieser Text entstand während eines Projekts von politikorange – dem Medium der Jugendpresse Deutschland.

Foto: Bild 2,3,5,6,11: Jugendpresse Deutschland / Erik-Holm Langholf, restliche Bilder: Eine Welt Netz NRW

Eine Welt Netz NRW @ 2018
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