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WeltBaustelle Friedensförderung

Das Engagement für Menschen in Konfliktregionen

Mehr Unterstützung für den Frieden

Das Forum suchte Wege des friedenspolitischen Engagements. Christoph Bongard vom ForumZFD, Marta Benavides aus El-Salvador und Julia Bar-Tal vom Netzwerk 15th garden stellten ihre Projekte vor und diskutierten mit den Teilnehmenden. Gemeinsam war die Meinung, dass innerhalb der deutschen Gesellschaft ein viel stärkeres Engagement angemessen und notwendig wäre.

Christoph Bongard stellte den zivilen Friedensdienst als Möglichkeit vor, forderte aber auch eine umfassende Friedensverträglichkeitsprüfung der gesamten deutschen Politik. Insbesondere Waffenlieferungen sollten verhindert werden (weitere Informationen siehe Artikel unten). Marta Benavides, Friedensaktivistin aus El-Salvador, betonte das koloniale Erbe, das Konflikte begünstigt und verschärft: „Wir fragen nicht nach eurer Hilfe. Wir wollen eure Partner sein. Schult eure Leute Strukturen zu erkennen, die Ungerechtigkeit hervorrufen und stabilisieren.“ Julia Bar-Tal erklärte die Arbeit des Netzwerks 15th garden, das sich für Nahrungsmittelsouveränität in Syrien politisch und ganz praktisch einsetzt. Dort wurden und werden insbesondere in vom Assad-Regime belagerten Städten Selbstversorgergärten aufgebaut (weitere Informationen siehe Video unten). Auch Julia appellierte an die Zuhörenden, den Syrienkrieg nicht zu vergessen und die Gewalttaten dort immer wieder in die Öffentlichkeit zu tragen. Deutschland trage eine klare Mitverantwortung für die Situation dort. Insbesondere die Vernetzung von Akteuren der Eine-Welt- und der Friedensbewegung wurde darüber hinaus gefordert.

Frieden als oberstes Ziel

Was kann jeder von uns für ein friedliches Miteinander tun? Was bedeutet eigentlich „Konflikttransformation“ – und wie funktioniert sie? Das hat Marlene Jacobsen von politikorange den Podiumsgast Christoph Bongard vom „Forum ziviler Friedensdienst“ gefragt.

Artikel Frieden als oberstes Ziel

In den 1990er-Jahren sieht sich die deutsche Zivilgesellschaft vor neuen Herausforderungen stehen: aufgrund der Balkankriege kommen hunderttausende Flüchtlinge nach Deutschland. Zusätzlich sorgen die ersten Auslandseinsätze der Bundeswehr für Skepsis innerhalb der Bevölkerung und den Wunsch nach einer alternativen Friedenspolitik. So entsteht das „Forum ziviler Friedensdienst (forumZFD)“ mit dem Ziel, Konflikttransformation in Krisenregionen zu leisten. Was das bedeutet, erklärt Christoph Bongard. Er arbeitet seit zwölf Jahren für das forumZFD und ist als Leiter der Abteilung Kommunikation beispielsweise für Öffentlichkeits- und Aufklärungsarbeit zuständig. Konflikttransformation beschreibt er als langfristigen Prozess, der die hinter einem Konflikt stehenden Missstände auf eine gewaltfreie Weise verbessert. Dabei sei es wichtig, alle Beteiligten zu involvieren und den Konflikt nicht verhindern oder möglichst schnell lösen zu wollen. Auf diese Weise werde ein Streit beispielsweise nicht nur geschlichtet, sondern im besten Fall werde die Ausgangssituation verbessert, sagt Bongard. Demnach müssten Konflikte nicht als schlecht wahrgenommen werden, da die Auseinandersetzung mit ihren Hintergründen für Beteiligte viel verbessern könne.

Engagement im Balkan und im Nahen Osten

Um genau das zu erreichen, entsendet das Forum ziviler Friedensdienst Fachkräfte in Konfliktregionen, wo diese mit lokalen Organisationen zusammenarbeiten. Dieses Engagement geht über das Ende von Kriegen hinaus, indem danach an der Aufarbeitung von Verbrechen und Ungerechtigkeiten gearbeitet wird. Darauf aufbauend fördert das forumZFD beispielsweise die Begegnung von Serben und Kosovaren, um alte Feindbilder abzubauen. Wichtig ist auch, die Entstehung von Konflikten durch Präventionsarbeit zu verhindern. Dafür beteiligt sich das forumZFD im Libanon, wo viele Städte zehntausende Syrer aufgenommen haben. Um aus dieser schwierigen Situation eine neue Gemeinschaft zu schaffen, bildet das forumZFD Sozialarbeiter und Sozialarbeiterinnen aus, die gemeinsame Projekte für Libanesen, Libanesinnen, Syrerinnen und Syrer veranstalten. Weitere Projekte in Jordanien und der Ukraine sind bereits geplant.

Währenddessen wird hier in Deutschland die Frage über die Gestaltung solcher internationaler Friedensförderung heiß diskutiert. Diesbezüglich hat das Forum ziviler Friedensdienst eine klare Forderung an die neue Bundesregierung: die Rüstungsexporte tatsächlich zu reduzieren. Darüber hinaus fehle im Koalitionsvertrag ein „friedenspolitisches Leitbild”, das den Frieden als oberstes Ziel definiere und über kurzfristige Sicherheitsinteressen stelle. Zurzeit werde am meisten Geld und Aufmerksamkeit in die Länder investiert, aus denen die meisten Flüchtlinge nach Deutschland kommen. Doch Fluchtursachenbekämpfung sei nicht gleich langfristige Entwicklungszusammenarbeit. Daher wollen Christoph Bongard und seine Kollegen vom „Forum ziviler Friedensdienst“ weiterhin Lobbyarbeit betreiben.

Plädoyer für respektvollen Umgang

Wer jetzt den Eindruck hat, dass das Schaffen von Frieden nur auf politischer Ebene stattfindet, der irrt. Denn jeder und jede Einzelne kann durch eine respekt- und verständnisvolle Umgangsweise zwischenmenschlich zu Frieden beitragen. Laut Christoph Bongard ist hierfür die Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen, fundamental. Perspektivenwechsel in Konflikten geben allen Beteiligten das Gefühl, gehört zu werden – die Grundlage für eine konstruktive Auseinandersetzung mit der jeder Problematik. Das erfordert natürlich auch bestehende Ungerechtigkeiten ehrlich anzusprechen und „nicht zu schweigen“. Genau das tun Organisationen wie das Forum ziviler Friedensdienst und Menschen wie Christoph Bongard.

Dieser Text entstand während eines Projekts von politikorange – dem Medium der Jugendpresse Deutschland.

“Es ist deine verdammte Pflicht, auf die Straße zu gehen!”

Julia Bar-Tal von 15th Garden im Interview mit politikorange

 

 

Foto: Bild 1,2: Eine Welt Netz NRW, Bild 3:Jugendpresse Deutschland / Erik-Holm Langholf 

Eine Welt Netz NRW @ 2018
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