Seenotrettung auf dem Mittelmeer

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Enttäuschung im Rathaus

Leider kein Ratsbeschluss im Sinne unserer Petition

Foto: Eine Welt Netz NRW

Demonstration am 13. September 2018 vor Münsters Rathaus

Am 19. September 2018 hat der Stadtrat Münster auf Antrag von CDU und Grünen beschlossen, „weitere Flüchtlinge aufzunehmen, so sie denn der Stadt seitens Bundes- oder Landesregierung zugewiesen werden." Dieser Entschluss war für viele Engagierte enttäuschend. Ein besseres Signal an die Bundesregierung wäre es in ihren Augen gewesen, die Bereitschaft zu erklären, darüber hinaus zusätzliche Geflüchtete aufnehmen zu wollen. Auch das Eine Welt Netz hatte auf einen solchen Beschluss gehofft, in dem die Stadt sich freiwillig zur Aufnahme von 100 bzw. 200 Seenotgeretteten bereit erklärt hätte.
Am 27. August 2018 hatten Dr. Malte Wulfinghoff und Manfred Belle für das Eine Welt Netz NRW eine Petition mit 599 Unterschriften an Münsters Bürgermeisterin Vilhjalmsson überreicht.

Dort wird die Stadt Münster aufgefordert, ein Kontingent der Menschen aufzunehmen, die aktuell im Mittelmeer aus Seenot gerettet wurden. Bürgermeisterin Vilhjalmsson unterstützt dieses Ziel und entschloss sich spontan, selbst die 600ste Unterschrift zu leisten: „Der Friedensstadt Münster stünde es gut zu Gesicht, dadurch ein Zeichen der Weltoffenheit und Humanität zu leisten.“ Auch sie wünschte sich einen entsprechenden Ratsbeschluss. „Ich war überrascht, das der Oberbürgermeister dieses Ansinnen so pauschal abgelehnt hat“, so Vilhjalmsson. Als Präsident des Städtetages sollte er auch für Städte wie Bonn, Düsseldorf, Köln, Bielefeld und Berlin sprechen, die ihre Bereitschaft bereits erklärt haben.“

Seenotrettung kein Verbrechen

Bericht von Bord des Seenot-Rettungsschiffes Lifeline

Foto: Eine Welt Netz NRW

Die Gäste der Veranstaltung bildeten am 13. Juli 2018 vor der Stadtbücherei Münster gemeinschaftlich eine symbolische Seebrücke, um auf die Notwenigkeit von Rettungsmissionen aufmerksam zu machen.

Am 13. Juli 2018 berichtete unsere Kollegin Aline Watermann von ihren Erfahrungen als Crew-Mitglied auf dem Seenot-Rettungsschiff Lifeline. Der Saal der Stadtbücherei Münster reichte nicht aus, um die über 150 Gäste aufzunehmen. Spontan schuf das Café Colibri Platz für alle, die zuhören wollten. Seite Jahren sterben tausende Menschen im Mittelmeer bei dem Versuch, das europäische Festland zu erreichen – allein im Juni 2018 wurden über 600 Todesfälle gezählt; viele Tote bleiben der Öffentlichkeit verborgen. Weil die EU-Mitgliedsstaaten seit 2014 durch die Einstellung des Programms „Mare Nostrum“ keine Rettungsmissionen mehr durchführen, sind die zivilen Rettungsschiffe von privaten Vereinen und Nicht-Regierungsorganisationen meist die einzige Hoffnung für Geflüchtete in Lebensgefahr. Aline Watermann, war als Freiwillige auf den Rettungsschiffen Seefuchs (Sea-Eye) und Lifeline (Mission Lifeline).

Bei ihrem letzten Einsatz auf dem Schiff Lifeline hat sie miterlebt, wie das Schiff mit 235 geretteten Geflüchteten an Board tagelang keinen europäischen Hafen anlaufen durfte, weil kein Staat Verantwortung übernehmen wollte. Auch bei den vorherigen Einsätzen musste sie immer wieder schmerzlich feststellen, wie die restriktive und repressive Grenzpolitik Europas und die Behinderung von zivilen Rettungsorganisationen den Tod von Geflüchteten billigend in Kauf nehmen.

Weiterlesen: Petition an die Stadt Münster

„Ich bin schockiert, dass die europäischen Regierungen ihre Verantwortung nicht tragen und uns sogar daran hindern, das Recht auf Leben zu verteidigen, in dem wir Menschen in Seenot vor dem Ertrinken bewahren“, so Aline. Ihr Kapitän der Lifeline ist weiterhin in Malta angeklagt. Ihm wird vorgeworfen, das Boot falsch registriert zu haben. Auch die Schiffe anderer Rettungsorganisationen werden momentan in europäischen Häfen festgehalten und dürfen nicht ausfahren. Wilko Beinlich von der Organisation „Jugend rettet“ sowie Udo Siefen von „Sea-Watch“ ergänzten den Vortrag mit ihren Erlebnissen in der Seenotrettung und unterstrichen die zunehmende Kriminalisierung und Diffamierung der Seenotretter. Für Menschen, die auf dem Mittelmeer in Not geraten, werden die Chancen auf eine Rettung somit immer geringer.

Für Aline ist das trotzdem kein Grund, aufzugeben: Immer mehr Menschen in ganz Deutschland zeigen im Rahmen der Kampagne „Seebrücke – Schafft sichere Häfen“ öffentlich ihre Solidarität mit den Seenotrettern und Geflüchteten. Auch die Gäste des Vortrags setzten zusammen gleich mehrere Zeichen der Solidarität: In einer vom Eine Welt Netz NRW initiierten Petition, die noch während der Veranstaltung von 134 Personen unterzeichnet wurde, fordern sie die Stadt Münster dazu auf, aus Seenot gerettete Menschen aufzunehmen. Auch bildeten die Teilnehmer*innen gemeinschaftlich eine symbolische Seebrücke, um auf die Notwenigkeit von Rettungsmissionen aufmerksam zu machen. Zuletzt wurden  gemeinsame Videobotschaften aufgenommen mit den Forderungen: „Wir brauchen Brücken, keine Grenzen!“ sowie „Seenotrettung ist kein Verbrechen!“. Hierbei trugen die Gäste orangene Armbänder und Buttons. Orange ist die Farbe der Rettungswesten. Die Armbänder wurden von einer Designerin von „Recycling in Pieces“ eigens für die Veranstaltung ehrenamtlich hergestellt und an alle Gäste verschenkt.

Download der Petition an die Stadt Münster als pdf

Links und Downloads

Wo man sich informieren und wen man unterstützen kann

Flüchtlinge am Bug der Lifeline

Foto: Hermine Poschmann, Mission Lifeline

234 Flüchtlinge wurden von der Crew der "Lifeline" gerettet.

Auch der katholische Bischof von Münster, Felix Genn, drängt, Flüchtlinge in Europa zu schützen. Die Pflicht zur Rettung von Menschen in Seenot sei im Völkerrecht verankert, sagte er am 1. Juli 2018 und verweist auf das Matthäus-Evangelium: „Ich war fremd, und ihr habt mich aufgenommen.“ Solange Menschen im Mittelmeer sterben müssten, könne man nicht von Frieden sprechen." Auch der Wortlaut seiner Predigt findet sich in unserer Link-Liste.
Die Flüchtlings-Hilfsorganisationen Mission Lifeline und Sea-Watch sind hart mit den Regierungen der EU-Staaten ins Gericht gegangen: Sie seien "einer Kriminalisierungskampagne ausgesetzt", sagte Marie Naass, die Sprecherin des Flüchtlingsschiffs "Lifeline", zu dessen Crew auch unsere Mitarbeiterin Aline Watermann aus Münster gehört.

Wir bieten hier eine Auswahl von Stellungnahmen und Informationen:

Link zum Interview mit Wilko Beinlich von Jugend Rettet (Pespective Daily 18.08.18)

Link zum Video über Aline Watermanns Zeit auf der "Lifeline" (ZDF 03.08.2018)

Link zur Initiative "Münster - Stadt der Zuflucht"

Link zum Bericht der Westfälischen Nachrichten vom 08.08.2018 über unsere Kritik

Download der Rede unseres Vorstandsmitglieds Tom Speck (Düsseldorf 21.07.2018)

Link zur Bezugsadresse der Armbänder und Buttons

Download unseres Offenen Briefes an die Stadt Münster vom 13.07.2018 (pdf)

Link zur Rettungsorganisation Sea Eye

Link zur Rettungsorganisation Sea Watch

Link zur Rettungsorganisation Mission Lifeline

Link zu "Jugend rettet"

Link zur Kampagne Seebrücke bei Facebook

Link zur Predigt von Bischof Felix Genn aus Münster vom 01. Juli 2018

Link zum Bericht über den Kapitän der "Lifeline" in der Süddeutschen Zeitung

Link zum Bericht der Tagesschau über die Vorwürfe der "Lifeline"-Crew vom 28.06.2018

Link zur Dokumentation der Bundespressekonferenz vom 27. Juni 2018

Download des Offenen Briefes an die Bundesregierung (pdf) vom 27. Juni 2018

Download des Offenen Briefes an die Kommunen (pdf) vom 27. Juni 2018

Link zum Offenen Brief der "Mission Lifeline" an Minister Seehofer vom 27. Juni 2018

Download des Offenen Briefs an Angela Merkel (pdf) vom 25. Juni 2018

Link zum Interview mit Aline Watermann bei Spiegel online

Link zu den chronologischen Meldungen der Tagesschau-Redaktion

Link zur Meldung der Tagesschau "UN kritisieren EU"

 

Bonn will Flüchtlinge aufnehmen

Zeichen für eine menschenwürdige Gestaltung von Migration

Das Rettungsschiff Lifeline mit 234 Geflüchteten an Bord im Juni 2018 im Mittelmeer.

Foto: Mission Lifeline e.V., Hermine Poschmann

Das Rettungsschiff Lifeline hat im Juni 234 Geflüchteten im Mittelmeer aus Seenot gerettet und durfte erst Tage später in Malta anlegen.

Die Stadt Bonn meldete am 05. Juli 2018 ihre Bereitschaft, einige der 200 Flüchtlinge vom Rettungsschiff „Lifeline“ aufzunehmen. „Wir betrachten dies als humanitäre Geste und können so einen Beitrag zur Lösung der Verteilproblematik leisten“, so Oberbürgermeister Ashok Sridharan und Sozialdezernentin Carolin Krause. Und Sridharan ergänzt: „Helfen zu können ist ein Privileg“. Die Stadt Bonn kann sich vorstellen, eine Familie oder eine kleine Gruppe vorerst unterzubringen, die Kapazitäten in den Flüchtlingsunterkünften reichen dafür aus. Die Stadt wird das Angebot an die Bundesregierung richten.
In den städtischen Unterkünften in Bonn sind derzeit 1.873 Geflüchtete untergebracht, insgesamt leben knapp 5.600 Menschen mit einem Aufenthaltsstatus in der Stadt. Die Bonner Nichtregierungsorganisationen Germanwatch und SÜDWIND begrüßen das Angebot der Stadt: 

Geste der Humanität

Dies sei eine "Geste der Humanität" mit Signalwirkung weit über Bonn hinaus. SÜDWIND und Germanwatch hatten Oberbürgermeister Sridharan und die Spitzen der Bonner Ratsfraktionen in einem offenen Brief um einen solchen Schritt gebeten. Auch die SPD-Fraktion hatte darauf in einer Antwort an die Organisationen positiv reagiert.

"Wir freuen uns sehr, dass die Stadt Bonn sich so zügig zu dieser Geste der Humanität entschieden hat. Wir hoffen, dass nun noch weitere Kommunen nachziehen. Dies wäre zum einen konkrete Solidarität mit den Geflüchteten und zum anderen ein starkes Signal an die Bundesregierung, dass die Kommunen weiterhin auf gelebte Mitmenschlichkeit und Hilfe für Menschen in Not setzen - nicht auf eine Festung Europa", sagt Christoph Bals, Politischer Geschäftsführer von Germanwatch.

Martina Schaub, Geschäftsführerin von SÜDWIND, ergänzt: „Gegen die wachsenden Vorurteile, den Wunsch nach Abschottung und Gleichgültigkeit gegenüber den Entwicklungen weltweit sind auch lokale Akteure immer wieder aufgefordert, Position zu beziehen. Mit ihrer Entscheidung für die Aufnahme von einigen Geflüchteten des Rettungsschiffs „Lifeline“ stellt sich die Stadt Bonn gegen populistische Meinungsmache und setzt ein Zeichen für eine menschenwürdige Gestaltung von Migration.“

Download unseres Offenen Briefes an Kommunen

Eine Welt Netz NRW @ 2018
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