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Wir sind hier und wir sind viele

Cactus Junges Theater auf der Lako 19

Wie einfach und amüsant es sein kann, ethnische, kulturelle und soziale Unterschiede zu überwinden, zeigte eine Gruppe von Jugendlichen auf der Bühne der Eine-Welt-Landeskonferenz in Münster. Evindar Gürel war für uns dabei.

„Wir sind hier, wir sind viele.“ Das war die Aussage der Jugendlichen, die mit Comedy, Stand Up, Ausdruckstheater und Breakdance ihre Geschichten erzählen. Dafür sorgt das Cactus Junges Theater seit 27 Jahren in Münster und möchte damit interkulturelle Bildung und Kompetenzen stärken. In den Vorstellungen versuchen die jungen Künstler und Künstlerinnen der Cactus-Theater-Gruppe auf unterschiedliche Weise – von Ausdruckstheater bis Comedy – auf Themen wie Nachhaltigkeit, Migration, Rassismus und Gender-Equality aufmerksam zu machen und zum Nachdenken anzuregen.  Auch die Breakdance-Gruppe KrunaKru setzte mit ihrer Gruppe aus Jugendlichen unterschiedlicher Herkunft und Alters ein Zeichen. Dass alle das mit Leidenschaft und Talent umsetzen, konnte man bei ihrer Vorstellung auf der Eine-Welt-Landeskonferenz erkennen.

Nachhaltigkeit, Migration, Rassismus und Gender-Equality

Die Aufführung begann mit einer kurzen Szene, in der zwei Jugendliche von Ihren (Alb-)Träumen erzählten. Sie handelten von verschmutzten Stränden, Ohnmacht und Robotern. „Produzieren, kaufen, wegwerfen“, war dabei ein sich wiederholendes und einprägsames Zitat. Der Nachhaltigkeit stehe Verschwendung gegenüber, aber die Hoffnung sei nicht verloren, wie man es am Beispiel der Fridays for Future-Schülerdemonstrationen sehe, so einer der Schauspieler.

Nach dieser überzeugenden Darstellung zum Thema Nachhaltigkeit, folgte eine Stand-Up-Comedy Show. Es war Mustafa, der seine Erfahrungen auf der Flucht von Syrien nach Deutschland auf eine amüsante und emphatische Weise darstellte. Damit machte er komplexe Themen wie Flucht und Migration nahbar und verständlich für alle, die das Privileg haben, solche Erfahrungen nicht durchleben zu müssen. Aber auch jene, die ähnliche Erfahrungen machen mussten, konnten sich durch das Stück verstanden fühlen.

Auch die deutsche Sprache, Klischees über Minderheiten und alltagsrassistische Aussagen wurden thematisiert. Zwei junge Schauspielerinnen griffen auf der Bühne rassistische Vorurteile, wie jenes, dass Ausländer und Ausländerinnen sich doch immer untereinander kennen würden, auf und stellten sie überspitzt dar. Damit vermittelten sie eindrucksvoll, dass Alltagsrassismus immer noch existiert und dass es einiger Reflektion bedarf, um dagegen anzugehen.

“Im Iran sind Politik und Religion wie siamesische Zwillinge”

Überragend war auch Emanuel, der aus Nigeria stammt und mit einer Mischung aus Tanz- und Ausdruckstheater nicht nur das Thema von Geschlechterrollen und Geschlechteridentität angesprochen hat, sondern das Thema auch als Tabu in Nigeria visualisierte – mit der dazugehörigen inneren Zerrissenheit, der Angst, den Mühen und dem Kampf gegen die bestehenden Rollenverständnisse.

Abgeschlossen wurden die Auftritte mit der Performance einen iranischen Geflüchteten. “Im Iran sind Politik und Religion wie siamesische Zwillinge”, fasste er die Lage im Land passend zusammen. Als Protestant sei er dazu gezwungen gewesen, den Iran zu verlassen. Doch auch in Deutschland warteten einige Herausforderungen auf ihn. All das fasste er in iranischen Tanz- und unterhaltsamen Theatereinlagen zusammen und entließ das lachende Publikum in den freien Abend. Es war ein lehrreicher und gleichzeitig amüsanter Abschluss des ersten Tages auf der Eine-Welt-Landeskonferenz.

Dieser Texthttps://politikorange.de/2019/03/theater-comedy-und-tanz-lassen-grenzen-verschwinden/ entstand während eines Projekts von politikorange – dem Medium der Jugendpresse Deutschland.

Eine Welt Netz NRW @ 2019
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