Hauptmenü

Seiteninhalt

Bangladesh: Nothilfe-Fonds von FEMNET

Brief von Kalpona Akter, Leiterin des Bangladesh Centre for Workers Solidarity

Foto: © Gisela Burckhardt/FEMNET e.V

Mittagspause in einer Textilfabrik in Bangladesh: Völlige Erschöpfung und kaum noch Abwehrkräfte. FEMNET ruft zu Nothilfe für Textil-Arbeiterinnen auf.

Kalpona Akter, die Leiterin des Bangladesh Centre for Workers Solidarity in Bangladesch schreibt:
„Unternehmen haben Aufträge storniert, die Arbeiterinnen fürchten um ihre Jobs und haben Angst angesteckt zu werden. Sie leben von der Hand in den Mund, viele sind verschuldet, wie können sie ohne Löhne überleben? Wenn Arbeiterinnen entlassen werden, sollten ausländische Unternehmen ihre Zahlungen schnell tätigen, damit die Arbeiterinnen zumindest ihre ihnen gesetzlich zustehende Abfindung erhalten.“
In Bangladesch leben die Menschen miteinander auf engem Raum, ein Virus verbreitet sich dort besonders schnell. Krankenhäuser sind nicht vorbereitet, Schutzkleidung, Masken und Tests fehlen. Viele Frauen leiden unter Blutarmut und sind unterernährt, da der Lohn nicht zum Leben ausreicht. FEMNET e.V. bittet um Spenden für einen Nothilfe-Fonds für Textil-Arbeiterinnen.

Mehr

Link zum Nothilfe-Fonds von FEMNET e.V.

Gisela Burckhardt, Vorstandsvorsitzende des Vereins FEMNET aus Bonn: "Wir stehen an der Seite der Näher*innen, deren Rechte täglich verletzt werden und deren Überleben nun wegen der Pandemie noch schwieriger geworden ist. Gerade jetzt müssen wir Solidarität zeigen, wir dürfen unsere Partner nicht allein lassen."

Sie richtet einen dringenden Appell an die Unternehmen der Bekleidungsbranche: "Nötig sind jetzt langfristige Aufträge, um Schließung von Fabriken und Entlassung von Arbeiter*innen zu verhindern. Näher*innen müssen vor Ansteckung geschützt werden: Mundschutz, Schutzkleidung und andere Formen einer Ausrüstung wie Schutzwände müssen zur Verfügung gestellt werden. Arbeiter*innen, die den Virus schon haben oder wo der Verdacht besteht, dass sie ihn haben, müssen während der Zeit der Quarantäne weiterbezahlt werden bzw. bezahlten Krankenurlaub erhalten. Alle Maßnahmen müssen für alle Beschäftigten gelten: Formell Beschäftigte wie informell oder kurzfristig Beschäftigte, Heimarbeiter*innen und Migrant*innen.

Wir müssen gemeinsam dafür sorgen, dass das Virus nicht diejenigen am stärksten trifft, die am wenigsten Ressourcen haben, um sich vor den Auswirkungen zu schützen. Genauso, wie jede und jeder Einzelne von uns derzeit gefragt ist, solidarisch Einschränkungen in Kauf zu nehmen und Risikogruppen nachbarschaftlich zu unterstützen, müssen auch Unternehmen die nötigen Schutzmaßnahmen für die Menschen in ihrer Lieferkette solidarisch und konsequent umsetzen. Global agierende Unternehmen tragen im Kontext dieser weltweiten Pandemie auch eine globale Verantwortung für Arbeiterinnen und Arbeiter.“

www.femnet.de

Philippinen: Tests nur für die Upperclass

Joms Salvador kritisiert Notstandsbefugnisse des Präsidenten und Polizeigewalt

Photo by Eldon Vince Isidro on Unsplash

Blick des Fotografen Eldon Vince Isidro auf Manila

Am 28.März 2020 forderte die Frauenbewegung GABRIELA Gesundheit, Arbeit und Rechte für die Bevölkerung des Landes. Seit einigen Tagen befindet sich der Inselstaat im Lockdown. Soziale Ungerechtigkeit und Ungleichheit sind seitdem noch sichtbarer als sonst: Tests, Behandlungen, ausreichend Nahrung und Mitgefühl für die Privilegierten und Politiker*innen, die Aufforderung selbst bei Symptomen ohne Behandlung zu Hause zu bleiben, Angst vor Hunger, Armut, Unsicherheit und Gewalt für die Bedürftigen und Randgruppen des Landes. „Es ist die Pflicht des Präsidenten, Gesundheit und Wohlergehen, Jobsicherheit und Rechte besonders für die Randgruppen auch in dieser Pandemie zu garantieren“, betont Joms Salvador, Generalsekretärin von GABRIELA. Doch ein Großteil der Bevölkerung ist von täglichem Lohn angewiesen, lebt von der Hand in den Mund, kann sich teure Corona-Tests, Behandlung oder weitere Medikamente nicht leisten.

Mehr

Der Lockdown wurde ohne soziale Vorsorge ausgerufen, stattdessen erhielt der Präsident Notstandsbefugnisse. Diese äußern sich bisher vor allem durch stärkere Militär- und Polizeipräsenz, die willkürlich ihre Macht durch Gewalt demonstrieren. „Wir wollen den Präsidenten an die Zeit erinnern, als er dazu aufgerufen hat, als Einheit zu heilen. Diese Heilung kann aber erst gelingen, wenn die Bedürfnisse und das Wohlergehen der Bevölkerung an erster Stelle der Agenda der Anführer des Landes stehen. Daher wünschen wir uns am 75. Geburtstag des Präsidenten, dass die philippinische Bevölkerung ihren Grundbedarf an Arbeit, Essen und Rechten erhält“, sagt Joms Salvador im Namen von GABRIELA.

Übersetzung: Lea Mürdter

Botswana: abhängig von den Nachbarn

Marteen Weers: nach Corona soll mehr im eigenen Land produziert werden

Photo by Toro Tseleng in Gaborone/Botswana, on Unsplash

Straßenszene in Botswanas Hauptstadt Gaborone

Mittlerweile befindet sich auch Botswana in einem totalen Lockdown. Die Bevölkerung muss zuhause bleiben. Nur einmal alle drei Tage darf eingekauft werden. Polizei und Militär kontrollieren an Straßensperren und auf Patrouille die Wege und Besorgungen der Menschen. Mit dem Ausruf des Notstands erhielt der Präsident mehr Rechte, um gegen die Ausbreitung des Corona-Virus zu kämpfen. „Das Gesundheitssystem ist nicht gut ausgerüstet. Es gibt kaum Intensivbetten, Beatmungsgeräte und Tests. Besonders betroffen sind diejenigen in ländlichen Gegenden, alte, arme und vorerkrankte Menschen.“, berichtet Marteen Weers, Zentrumsleiter von Young Africa Botswana. Kleine und Mittelständische Unternehmen werden mit Fonds unterstützt, die Geschäfte werden trotz Grenzschließung weiter von Südafrika beliefert.

„Es gibt eine große Diskussion über die aktuellen Geschehnisse, die Verletzlichkeit und totale Abhängigkeit Botswanas von anderen Ländern“, berichtet Weers. Daher hat der Präsident angekündigt, nach der Corona-Krise die Wirtschaft des Landes zu erweitern und nationale Produktion voranzutreiben.

Übersetzung: Lea Mürdter

Malawi: Fake News sind ein Problem

Steven Duwa vom Rat der NGO lobt seine Regierung

Photo by ROBERT ALEXANDER WILSON on Unsplash

Der Vorsitzende des Rates für NGOs in Malawi (CONGOMA), Steven Duwa, äußerte sich am 26. März 2020 mit einer Pressemitteilung über die aktuelle Lage des Landes. Darin lobt er die Regierung, die den Notstand ausgerufen hat, denn „die Ausbreitung des Virus in Malawi würde zu einem Desaster werden, da Gesundheitssystem und Infrastruktur schwach sind und die Nation wirtschaftlich von Importen abhängt.“ Der Rat hält den nationalen Plan des Gesundheitsministeriums, in dem Koordination, Ressourcenmobilisierung, Trainings, Aufrüstung der Ausrüstung und nationale Sensibilisierung aufgegriffen werden, für realistisch und durchführbar. Auch andere Ministerien, Regierungsbezirke, Sicherheitskräfte und die Bevölkerung werden für ihre Kooperation gelobt.

Mehr

„Diese Solidarität ist, was nötig ist um Covid-19 zu bekämpfen.“ so Steven Duwa. Sorge bereiten dem Rat für NGOs finanzielle Engpässe, die Verbreitung von Fake News, Mangel an Testmöglichkeiten, Ausrüstung und menschlichen Ressourcen. „Es gibt immer noch Glaubensgemeinschaften und andere Menschen, die die Gefahr von Corona ignorieren und die Maßnahmen und Handlungsempfehlungen nicht einhalten. Diese Personen stellen eine Gefahr für die Gesellschaft dar und sollten auf das schärfste verurteilt werden.“, fordert Steven Duwa. Der Rat bittet Entwicklungspartner um schnelle Unterstützung, das Gesundheitsministerium um den Auf- und Ausbau von Testzentren, die Regierung um eine autonome Corona-Kommandozentrale, die Medien um fokussierte Berichterstattung und die Bevölkerung darum, ruhig aber wachsam zu bleiben.

Übersetzung: Lea Mürdter

Simbabwe: Seit 30. März Lockdown

Leonard Mandishara sorgt sich um die Menschen auf dem Land

Photo by Trust "Tru" Katsande on Unsplash

In einer gemeinsamen Stellungnahme des Nationalverbands für NGOs (NANGO) und dem AIDS Netzwerk werden die Sorgen über die Ausbreitung des Corona-Virus in Simbabwe deutlich. Besonders schlimme Auswirkungen hätte diese wohl auf die bereits bestehenden Herausforderungen im Gesundheitswesen des Landes: schlecht ausgebildetes Personal, Mangel an Medikamenten, Ausrüstung und Infrastruktur, andere Krankheiten wie Tuberkulose, HIV und Malaria. Daher rufen die Organisationen die Regierung und andere Stakeholder auf, einige Maßnahmen zu ergreifen. Darunter fallen Einreisebeschränkungen, Rückreisemöglichkeiten für Staatsbürger*innen im Ausland, flexiblere Arbeitsweisen, Sicherheit und Wohlbefinden am Arbeitsplatz und in der Quarantäne. Seit dem 30. März befindet sich Simbabwe im nationalen Lockdown.

Mehr

Die Versorgung mit Lebensmitteln und Medikamenten bleibt gewährleistet. „NANGO steht hinter dem Entschluss der Regierung, dennoch hätten ein paar Abstimmungen mit NGOs und anderen Organisationen getroffen werden sollen, um die Versorgung von besonders Bedürftigen sicherstellen zu können“, kritisiert Leonard Mandishara, Geschäftsführer von NANGO, und stellt einige weitere Forderungen. Beispielsweise ein stärkeres Gesundheitswesen mit allgemeinem Zugang und Ausbau in den ländlichen Regionen und die Fokussierung der Kapazitäten und Ressourcen auf die Bekämpfung und Eindämmung des Virus.  Die aktuelle Lage soll also genutzt werden, damit „ein sicheres und stabiles Gesundheitswesen in Simbabwe aufgebaut wird und für die Zukunft bestehen bleiben kann.“

Übersetzung: Lea Mürdter

Senegal: „Ich bleibe zuhause und rette Leben“

Global Call Against Poverty: Kooperation afrikanischer Länder ist wichtig

Photo by Anton Lecock on Unsplash

Auch im Senegal wächst die Sorge um das Corona-Virus und seine Folgen. Die Regierung hat mit sozialen, politischen und anderen Akteuren eine Gemeinschaft unter dem Motto „Ich bleibe zuhause und rette Leben“ gegründet, die auf viel Zustimmung in der senegalesischen Bevölkerung stößt. Mittlerweile sind die Grenzen des Landes geschlossen, zwischen 20 und 6 Uhr herrscht Ausgangssperre, Versammlungen sind verboten, Schulen und Universitäten geschlossen. GCAP-Senegal lobt diese Entscheidung der Regierung und weiß den Einsatz des Pflege- und medizinischen Personals zu schätzen. Sorge besteht darin, dass diese Katastrophe Armut, Arbeitslosigkeit, Hunger und Unsicherheit vergrößert, sowie weitere negative soziale und wirtschaftliche Auswirkungen hat.

Mehr

Deshalb bittet GCAP-Senegal die Regierung, Entwicklungspartner, die internationale Gemeinschaft, den Privatsektor und die gesamte Bevölkerung um Zusammenarbeit und Hilfe. Um einer Hungersnot entgegenzuwirken, bittet GCAP die Regierung um kostenloses Essen, Wasser und Strom besonders für Bedürftige und eine weitestgehende Fortzahlung der Löhne. Darüber hinaus soll ein Notfallplan für infizierte Personen und Familien erstellt werden und mit anderen afrikanischen Nationen kooperiert werden. Die finanziellen Ressourcen sollen nun transparent verwaltet werden. Die Bevölkerung wird gebeten, zuhause zu bleiben um sich und andere zu schützen und die Ausbreitung von Covid-19 einzudämmen. GCAP appelliert an Solidarität und Zusammenhalt, um das beste aus der Situation zu machen.

Übersetzung: Lea Mürdter

Türkei: Keine Perspektive für Geflüchtete

Eine Einschätzung von Pia Uçar

Photo by Randy Tarampi on Unsplash

Straßenbahn in Istanbul im Winter

In der Türkei ist das Leben dieser Tage natürlich auch sehr von Corona geprägt. Da die Türkei zunächst noch wenige offizielle Corona-Fälle hatte, hat man sich im Vergleich sehr frühzeitig entschlossen, die Grenzen zur EU zu schließen. Dass dies zeitlich eng auf die Öffnung der türkischen Grenze zu Griechenland für in der Türkei lebende Geflüchtete folgte, hat natürlich vor allem diese in eine noch prekärere Situation gebracht, als sie es ohnehin schon gewesen waren. Da es für sie keinen Einlass in die EU gab, stehen nun viele komplett perspektivlos da, vor allem diejenigen ohne Angehörige oder Bekannte in der Türkei, zu denen sie zurückgehen könnten. Nach offiziellen türkischen Angaben wurden die Menschen nun in verschiedenen Provinzen des Landes untergebracht. Inwieweit diese Verlegungen mit Zustimmung der Geflüchteten erfolgte, ist aber mindestens umstritten.

Mehr

Während Grenzen und Schulen frühzeitig geschlossen wurden, war die offizielle Informationspolitik der türkischen Regierung vor allem am Anfang recht eingeschränkt bis nicht existent, was in Kombination mit einer ohnehin kaum funktionierenden kritischen Presse dazu geführt hat, dass Falschmeldungen Hochkonjunktur hatten. Deshalb zweifeln auch viele Menschen die offiziellen Zahlen zu Infektionen, deren vergleichsweise geringe Höhe sich vermutlich nur bedingt damit begründen lässt, dass die Menschen in der Türkei im europäischen Vergleich zu den eifrigsten Händewascher*innen gehören, an. Bei den Maßnahmen zur Eindämmung des Virus ist zudem weiter gut die politische Handschrift der AKP zu erkennen. Während Pilger-Rückkehrer*innen erst nach Protesten in Quarantäne gehen mussten und es Berichte darüber gibt, dass es statt der üblichen, großen inklusiven nun exklusive VIP-Freitagsgebetsangebote gäbe, sollen tausende Menschen aus den überfüllten Gefängnissen entlassen werden um dort eine Massenansteckung zu verhindern. Ausgenommen von diesen Entlassungsplänen sind explizit Menschen, die aus politischen Gründen inhaftiert sind. Für letztere scheinen auch in den Gefängnissen keine größeren Bemühungen unternommen zu werden, das Infektionsrisiko durch zusätzliche Hygienemaßnahmen zu reduzieren.

Viele Menschen treibt zudem die Sorge um, ob das Gesundheitssystem, eines der selbsterklärten Aushängeschilder der Regierung Erdogans, tatsächlich den Anforderungen der Corona-Pandemie gewachsen sein wird. Dementsprechend gilt schon seit einiger Zeit für Menschen über 65 quasi Hausarrest. Es scheint aber, dass hier zumindest auf regionaler Ebene mit offiziellen Telefonhotlines für die Versorgung mit Lebensmitteln etc. ein funktionierendes Unterstützungssystem für die Hauptrisikogruppen etabliert wurde. Auch die Umstellung des Schulunterrichts auf digitale Kanäle scheint recht gut zu klappen. Ansonsten wirkt es momentan so, dass vor allem die (vorbereitenden) Maßnahmen regionaler und kommunaler Entscheidungsträger*innen geeignet sind, die Eindämmung hoch und möglichen Folgen niedrig zu halten. Wirtschaftlich ist die Türkei natürlich zudem aufgrund einer schon seit Langem zumindest angeknacksten Wirtschaft nicht besonders gut dagegen gewappnet, dass nun das Wirtschaftsleben quasi still liegt. Besonders Geringverdiener*innen und Arbeitslose fürchten nun, dass sie die Corona-bedingten Maßnahmen besonders hart treffen werden.

Pia Uçar ist Juristin und Menschenrechtlerin. Nach Stationen in Pakistan, Kenia und der entwicklungspolitischen Inlandsarbeit in NRW und Berlin lebt sie nun in Istanbul und beobachtet dort auch jenseits von Corona vor allem die menschenrechtlichen Implikationen politischen Handelns. Ihre Einschätzung hat sie am 30. März 2020 während ihres Aufenthaltes in Minden verfasst.

Peru: Gesundheit für Indigene sichern

Brief vom Movimiento Ciudadano frente al Cambio Climatico

Photo by Joe Green on Unsplash

Auch in den Städten Perus sind die Straßen leerer als sonst

Am 25. März 2020 hatten die Menschen in Peru bereits 15 Tage Isolation hinter sich. Mit einem Notstandserlass und Maßnahmen, die den Menschen Zugang zu Lebensmitteln und Arbeit von Zuhause aus gewährleisten, will die peruanische Regierung die Ausbreitung des Corona-Virus eindämmen. Besonders die Menschen, die in Armut leben, diejenigen in ländlichen Gegenden und die indigenen Völker müssen in diesen Zeiten unterstützt werden. „Menschenrechte und der Zugang zu Gesundheit müssen in der gesamten Politik an erster Stelle stehen“, betont Osver Polo, Mitglied der Movimiento Ciudadano frente al Cambio Climatico (Bürgerbewegung im Kampf gegen den Klimawandel) in Peru. Er sieht das Virus als „Warnung für die zukünftigen Krisen, die wie der Klimawandel auch kommen werden.“ Offen bleibe die Frage, wie gut die Länder darauf vorbereitet sind und wie global zusammengearbeitet werden kann.
Übersetzung: Lea Mürdter

Honduras: Kein Einkauf ohne Kreditkarte

Maritza Paredes mailt aus San Pedro Sula nach Düsseldorf

Photo by Carli Jeen on Unsplash

Alltag an einem Markt in Honduras

 „Honduras befindet sich im Chaos“, berichtet Maritza Paredes aus San Pedro Sula an den Nicaragua-Verein Düsseldorf. In einigen Städten herrscht eine zunächst unbefristete Ausgangssperre, in Städten mit Corona-Fällen waren Supermärkte und Apotheken zeitweise komplett geschlossen. Die Banken sind geschlossen. Es gibt also keine Möglichkeit an Bargeld zu gelangen, viele arme Menschen besitzen keine Kreditkarte und können somit nicht einmal die lebenswichtigen Besorgungen machen. „Das Problem ist, dass viele Menschen sich nicht vorbereiten, keine Lebensmittel oder Medikamente kaufen konnten, und wenn das so weitergeht, wird es kompliziert werden“, erklärt Maritza. Auch die Krankenhäuser sind nicht auf das Virus vorbereitet. Den Menschen wird geraten, besser zu Hause zu bleiben als dort hinzugehen.

Mehr

So sollen sie sich nicht anstecken und die Gesundheitsversorgung soll vor dem Zusammenbruch bewahrt werden. Die Berichterstattung in den Medien ist sehr fragwürdig: „Die Medien respektieren die Privatsphäre nicht.“ Infizierte Patient*innen werden teilweise öffentlich bloßgestellt und verfolgt, um Informationen zu erhalten. Stadtviertel, in denen sich möglicherweise infizierte Personen befinden, werden von Militär und Polizei abgeriegelt. „Es kann also sein, dass du über Nacht deine Nachbarschaft abgeriegelt vorfindest.“ Nur in lebensmittelverarbeitenden Betrieben, bei der Herstellung von medizinischen Produkten und wenigen Dienstleistungsbetrieben darf noch gearbeitet werden. „Es ist Verzweiflung, die diese Menschen Tag für Tag erleben.“

Indien: keine Arbeit, keine Sicherheit

Anne Neumann: Arbeiter der Schuhfabriken sind ohne Schutz

Photo by Annie Spratt on Unsplash

Die Corona- und damit einhergehende aktuelle Wirtschaftskrise trifft die Mitarbeiter*innen der Schuhindustrie in Indien schwer. „Schon vor der Krise lebten deren Familien an der Existenzgrenze, an Ersparnisse für schlechte Zeiten war nicht zu denken. Jetzt fallen sie ins Bodenlose.“ erklären Berndt Hinzmann und Anne Neumann von der Berliner Hilfsorganisation INKOTA. Ein großes Problem sind fehlende Arbeitsverträge, Lohnbescheinigungen oder Fabrikausweise. Die Mitarbeitenden „sind jederzeit von willkürlichen Entlassungen bedroht. Ansprüche auf Arbeit und Lohn haben sie nicht. Und sie haben keine Absicherung, wenn die Arbeit ausbleibt“, so Anne Neumann. Aktuell werden viele Aufträge storniert oder können wegen fehlender Materialien aus China nicht ausgeführt werden – Entlassungen werden wahrscheinlicher.

Mehr

Prinzipiell gibt es in Indien Kündigungsfristen, Arbeitslosenschutz, Anspruch auf Lohnzahlungen – doch nur, wenn ein Arbeitsverhältnis nachgewiesen werden kann. Daher appelliert INKOTA auch an die menschenrechtlichen Sorgfaltspflichten deutscher Schuhfirmen. Welche Entscheidungen werden getroffen und welche Auswirkungen gehen damit für die Arbeiter*innen der gesamten Lieferkette einher? „Genau deshalb brauchen wir ein Lieferkettengesetz!“ – Jetzt vielleicht noch viel dringender als vor der Corona-Pandemie.“

Link zu INKOTA

Afghanistan: Hilfsbitte an Vereinte Nationen

Stellungnahme der Zivilgesellschaft mit 13 Forderungen

Photo by simon sun on Unsplash

Am 25. März 2020 gaben fünf Organisationen aus Zivilgesellschaft und der NGO-Branche ein gemeinsames Statement zur Prävention von Corona in Afghanistan ab. „Die Verbreitung des Virus in den Nachbarländern Afghanistans war für die Bevölkerung besorgniserregend“ lautet eine der ersten Zeilen der Stellungnahme. Deshalb adressieren die fünf Organisationen insgesamt 13 Punkte an Politik, Medien, Zivilgesellschaft und diverse Organisationen. Hierbei wird vor allem an die schnelle, richtige, ausführliche und sensible Berichterstattung appelliert, um die Bevölkerung zu informieren und gleichzeitig die Panik vor dem Virus einzudämmen. Darüberhinaus werden ausreichende medizinische Ausstattung, Informationsmaterial, finanzielle und materielle (z.B. Nahrung) Unterstützung für alle gefordert.

Mehr

Besondere Forderungen gehen an die Regierung und das Gesundheitsministerium, die den „Kampf gegen Corona anführen und die nötigen Schritte in die Wege leiten sollen“. Auch internationale Banken und die Vereinten Nationen werden um (finanzielle) Hilfe für Programme zur Sensibilisierung, Prävention und Behandlung des Corona-Virus in Afghanistan gebeten.

Übersetzung: Lea Mürdter

Pakistan: Appell der Zivilgesellschaft

Aufruf von Zia ur Rehman für die Pakistan Development Alliance

Photo by Muhammad Muzamil on Unsplash

Straßenszene in Lahore, Pakistan

„Wir wissen, dass die Regierung allein nicht alles tun kann, aber gemeinsam können wir es tun!“ Mit diesen Worten fordert Zia ur Rehman, der nationale Koordinator der Pakistan Development Alliance, am 25. März 2020 in Islamabad zu mehr Solidarität und verstärkte Zusammenarbeit im Land auf. Er appelliert an die Regierung, an verschiedene Organisationen und an die Zivilgesellschaft, diverse Sofortmaßnahmen zu ergreifen. So sollen beispielsweise kleine Untersuchungsteams zusammengestellt werden, „um sicherzustellen, dass die bedürftigen Familien zu Hause mit Lebensmitteln versorgt werden.“ Die Versorgung mit Lebensmitteln, Hygiene- und Desinfektionsartikeln und Medikamenten soll so für alle garantiert werden.

Physische Distanzierung statt sozialer Distanzierung, mehr soziale Verbindungen über digitale Medien, Nachsicht, Einfühlungsvermögen, staatliche Sozialhilfeprogramme, finanzielle und vor allem medizinische Versorgung, besonders für die Bedürftigen, seien momentan nötiger denn je, „um diese schwierigen Zeiten unserer jüngsten Geschichte zu überwinden“.

Übersetzung: Lea Mürdter

Download des Pakistan Civil Society Organisations Statement vom 25. März 2020 (pdf)

Eine Welt Netz NRW @ 2020
Bitte benutzen Sie zum Ausdrucken den Druckbutton am Ende jeder Seite.