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Bericht des Weltklimarats IPCC

Klimaschutz und Energie-Sicherheit sind zwei Seiten einer Medaille

Photo by Gabriel on Unsplash

SDG 13 stark vereinfacht: Die Kohle bleibt im Boden, die PV-Module oben drauf

„Umgehend Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels und seiner Auswirkungen ergreifen“ – so formuliert es das dreizehnte der 17 Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen. Am 28. Februar 2022 hat der Weltklimarats IPCC den zweiten Teil seines sechsten Sachstandberichts veröffentlicht. Putins Krieg gegen die Ukraine hat auch das in den Schatten gestellt.  Der Ausstieg aus Gas, Öl und Kohle ist nun nicht mehr „nur“ klimapolitisch geboten, sondern auch mit Blick auf Energiesicherheit und Geopolitik. Der Weltklimarat macht mit seinem neuen Bericht auf das schnell wachsende, zerstörerische Ausmaß des Klimawandels. Der internationalen Wissenschaft zufolge fordert die Klimakrise immer mehr Menschenleben, treibt ökonomische Kosten in die Höhe, verschärft Konflikte und gefährdet Menschenrechte weltweit.

Fast die Hälfte der Weltbevölkerung ist demnach einem hohen Risiko ausgesetzt. Am stärksten trifft es jene, die am wenigsten zum Klimawandel beigetragen haben – ganz besonders sind zum Beispiel die Menschen in vielen afrikanischen Ländern betroffen.

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Was wir brauchen ist ein massiv beschleunigter Klimaschutz und eine angemessene Finanzierung auch für Anpassung und den Umgang mit Schäden und Verlusten. Um eine humanitäre (Sicherheits-)Katastrophe abzuwenden, sollte die G7 nun den Anstoß geben für ein umfassendes globales System zum Schutz vor der Wucht der Klimakrise, vor allem für die verwundbarsten Menschen und Länder. Dieses System muss angemessene Instrumente enthalten und die bessere Vorsorge vor Klimarisiken und Kipp-Punkten ermöglichen. Außerdem muss es nach Wetterkatastrophen sowie beim Umgang mit den Folgen langsam voranschreitender Ereignisse, wie etwa dem Meeresspiegelanstieg, Unterstützung bieten.

Richard Mateys COP26-Report

Eine Innenansicht aus der Klimakonferenz in Glasgow

Klimaschutz ist das Anliegen von Richard Matey. Während seines Aufenthaltes in Nordrhein-Westfalen besuchte er im Herbst 2019 u.a. die Zeche Zollverein in Essen

Richard Matey aus Ghana ist Mitarbeiter der NGO Abibiman Foundation und ergänzte im Herbst 2019 unser Team in Düsseldorf als Teilnehmer des Reverse Programms des Konkreten Friedensdienstes. Er nahm vom 31. Oktober bis zum 13. November 2021 an der 26. Klimakonferenz der Vereinten Nationen in Glasgow teil und teilt uns hier mit, welche Eindrücke er von dort mitgenommen hat. Die COP26 war die 26. Klimakonferenz der Vereinten Nationen im Jahr 2021. Seit fast drei Jahr-zehnten bringen die Vereinten Nationen fast alle Länder zu globalen Klimagipfeln - den sogenannten COPs - zusammen, was für "Conference of the Parties" steht. In dieser Zeit hat sich der Klimawandel von einem Randthema zu einer globalen Priorität entwickelt.

Richard Matey: Die Staats- und Regierungschefs trafen, neben zehntausenden von Verhandlungspartner*innen, Regierungsvertreter*innen, Unternehmen und zivilgesellschaftlichen Gruppen, zu vierzehntägigen Gesprächen in Schottland ein. Am 13. November 2021 endete die COP26 in Glasgow mit der Einigung aller Länder auf den Glasgower Klimapakt, um das 1,5°C-Ziel zu halten und die noch ausstehenden Elemente des Pariser Abkommens abzuschließen. 

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Die Beteiligten der Klimaverhandlungen beendeten, nach zwei Wochen intensiver Gespräche mit einem Konsens über die dringende Beschleunigung der Klimaschutzmaßnahmen, die Konferenz. Der Glasgower Klimapakt in Verbindung mit den verstärkten Ambitionen und Handlungen der Länder erreichte, dass das 1,5°C-Ziel im Blick behalten wird und die Maßnahmen zur Bewältigung der Klimaauswirkungen beschleunigt werden. Dies wird allerdings nur mit konzertierten und sofortigen globalen Anstrengungen erreicht werden können.

Warum ich bei der COP26 war

  • Ich nehme an der Nebenveranstaltung "Aligning ECAs to the Paris Agreement" teil, wo ich einen Vortrag mit der Hilfe der Verfasser*innen des Forschungsberichts "Just Energy Transition for Africa" halte: "Mapping of ECAs in Ghana, Togo, Nigeria und Uganda."
  • Teilnahme an einer Nebenveranstaltung für Jugendliche und am Ghana-Tag, an dem die aktualisierten NDCs Ghanas im ghanaischen Pavillon auf der COP26 vorgestellt werden sollen,
  • Unterstützung der ghanaischen Regierungsdelegation bei den Verhandlungen durch Verfolgung der Diskussionen der 52. bis 55. Sitzung des Nebenorgans für wissenschaftliche und technologische Beratung (SBSTA 52-55), insbesondere des Arbeitsprogramms von Nairobi zu Auswirkungen, Anfälligkeit und Anpassung an den Klimawandel und des Berichts des Exekutivausschusses des Warschauer Internationalen Mechanismus für Schäden und Verluste im Zusammenhang mit den Auswirkungen des Klimawandels (für 2020 und 2021),
  • Teilnahme an der von YOUNGO organisierten Konferenz der Jugend (COY16),
  • Unterstützung des Germanwatch-Teams als einer der Freiwilligen und anderer Personen, die an der COP teilnehmen und über verschiedene Themen berichten,
  • die Vernetzung mit anderen Organisationen, die zu den Themen Energie und Energiewende, Umwelt und Klimawandel, Landwirtschaft und Jugendbeteiligung arbeiten.

Welche Aktivitäten es bei der COP26 gab

Exportfinanzierungen mit dem Pariser Abkommen in Einklang bringen: Höchste Zeit für den Ausstieg auf fossilen Brennstoffen (Nebenveranstaltung)                                          
Am 4. November 2021 nahm ich an der Nebenveranstaltung zum Thema "Aligning Export Finance with the Paris Agreement" teil und berichtete über einige Erkenntnisse im Zusammenhang mit dem Forschungsbericht "A Just Energy Transition for Africa: Mapping the impacts of ECAs active in the energy sector in Ghana, Nigeria, Togo and Uganda". Bei der Nebenveranstaltung erzählte ich von der Unterstützung, die ECAs für die 4 Länder im Energiesektor geleistet haben und berichtete von den Auswirkungen für die Gemeinden durch diese fossilen Brennstoffe und großen Staudammprojekte, die ECA-Unterstützung erhalten haben.  

Die 16. Konferenz der Jugend(COY16)

Ich habe auch an der Jugendkonferenz teilgenommen, die jedes Jahr drei Tage zu jeder COP-Veranstaltung stattfindet. Die diesjährige COY16 fand vom 28. Oktober bis zum 30. Oktober 2021 statt. Ziel der Veranstaltung war es, einen Raum für den Aufbau von Kapazitäten sowie für politische Schulungen zu schaffen, um junge Menschen für ihre Teilnahme an der COP26 vorzubereiten sowie generell ihre Arbeit im Kampf gegen den Klimawandel zu fördern. Die Veranstaltung endete mit der Veröffentlichung des Youth4Climate Manifests.

Klima-Marsch

Ich habe am Samstag, den 6. November 2021, am größten Klimamarsch in Glasgow teilgenommen. Der Marsch sollte ein Zeichen für die Klimakrise setzen, mit der die Nationen unmittelbar konfrontiert sind, als auch für die Notwendigkeit eines Systemwechsels. Ich war Teil des Marsches, um einige der Demonstrierenden zu interviewen, um zu verstehen, warum sie sich dem Protest angeschlossen haben, welche Forderungen sie haben und was ihre Aktionen bewirken. In den Interviews wiederholten einige Demonstrierende, dass die Finanzierung für Anpassung, Widerstandsfähigkeit sowie Verluste und Schäden zuverlässig und in lokalem Besitz sein muss, um die SDG zu erreichen. Sie forderten, dass stärkere Mechanismen für die vertikale und horizontale Rechenschaftspflicht mit Handlungsversprechen einhergehen müssen.

Teilnahme an Veranstaltungen in den Pavillons

Ich habe an einer Reihe von Veranstaltungen in den verschiedenen Pavillons in der Blauen Zone auf der COP teilgenommen. Ich besuchte diese Veranstaltungen zum Zweck des Kapazitätsaufbaus, der Vernetzung und des Wissensaustauschs. Bei diesen Veranstaltungen kam ich mit einer Reihe von ähnlichen Interessensvertreter*innen in Kontakt und hatte einige sinnvolle Gespräche. Eines dieser Treffen führte zu einem bilateralen Treffen mit dem nationalen UNFCCC-Beauftragten, dem Beauftragten für Anpassung und einer Delegation des Globalen Ökodorf-Netzwerks, um eine Absichtserklärung für die Umsetzung des Panafrikanischen Programms zur Entwicklung von Ökodörfern (PAEDP) in Ghana auszuarbeiten.
Ich hatte auch ein bilaterales Treffen mit dem Global Call to Action against Poverty (GCAP) und der CIVICUS Alliance, um die Vorbereitung eines zivilgesellschaftlichen Schattenberichts zum freiwilligen nationalen Bericht zu besprechen.
Außerdem wurde bei einer Nebenveranstaltung im Ghana-Pavillon dem ghanaischen Präsidenten als Co-Vorsitzendem der Eminent Group of Advocates for the SDGs im Rahmen unserer Kampagne für erneuerbare Energien für Gemeinden (RE4C) die Klima-Uhr überreicht.

Beschlüsse der COP26

Während der COP26 verfolgte ich die Diskussionen über Anpassung, Anpassungsfinanzierung und Schäden und Verluste. Ich interessiere mich für diese Themen, da Afrika und insbesondere Ghana für die Auswirkungen des Klimawandels anfällig ist und die Klimaanpassung in Verbindung mit der Finanzierung von Schäden und Verlusten für den Kontinent und Ghana als Land von entscheidender Bedeutung ist.
Was das Ergebnis der Diskussionen über die Klimaanpassung betrifft, so einigten sich die Parteien darauf, das zweijährige Glasgow-Sharm-el-Sheikh-Arbeitsprogramm für das globale Anpassungsziel (The GlaSS) in Anerkennung der Notwendigkeit von Anpassungsmaßnahmen, zu starten. Dies ist ein bedeutender Schritt nach vorn, der Maßnahmen zur Verringerung der Anfälligkeit, zur Stärkung der Widerstandsfähigkeit und zur Erhöhung der Fähigkeit der Menschen und des Planeten, sich an die Auswirkungen des Klimawandels anzupassen, ermöglichen wird.

Im Zusammenhang mit den Ergebnissen zur Anpassungsfinanzierung wird gefordert, dass "die Industrieländer ihre kollektive Bereitstellung von Finanzmitteln für die Anpassung an den Klimawandel für die Entwicklungsländer bis 2025 gegenüber 2019 mindestens verdoppeln." Die Industrieländer wurden ermutigt, über die im Vorfeld der COP26 eingegangenen Verpflichtungen hinauszugehen. Ein weiteres wichtiges Ergebnis war die Rekordsumme von 350 Mio. USD für den Anpassungsfonds, was etwa dem Dreifachen des bisherigen Höchststandes entspricht. Die Beiträge für den Fonds für die am wenigsten entwickelten Länder erreichten eine Summe von 600 Mio. USD.

In Bezug auf die Ergebnisse im Bereich Verluste und Schäden wurde die Notwendigkeit, mehr Geld für die Bewältigung von Verlusten und Schäden aus bestehenden Quellen bereitzustellen, von allen befürwortet. Außerdem wurden die Aufgaben und Finanzierungsregelungen für das Santiago-Netz vereinbart, das technische Hilfe für die Vertragsparteien zur Vermeidung, Minimierung und Bewältigung von Verlusten und Schäden organisieren und finanzieren soll. Zum Abschluss der Verhandlungen wurde auf der COP26 der Glasgow-Dialog ins Leben gerufen, bei dem Parteien, die Zivilgesellschaft und Techniker zusammenkommen werden, um zu erörtern, wie die für Verluste und Schäden eingesetzten Mittel erhöht werden können und wie bedürftige Parteien Zugang zu diesen Mitteln erhalten können. Auf der COP26 konnte jedoch kein Konsens über einen Vorschlag der Entwicklungsländer zur Einrichtung einer Finanzierungsfazilität für Verluste und Schäden erzielt werden.

Das One-Health-Konzept

Vorsorge bei Pandemien und Beitrag zur Agenda 2030

Photo by Noah Buscher on Unsplash

Beim One-Health-Konzept geht es darum, die menschliche, die tierische und die Gesundheit der Umwelt zusammenzudenken

Was ist eigentlich der One-Health-Ansatz? Was könnte er bewirken, um Pandemien und anderen globalen Herausforderungen wie dem Klimawandel vorzubeugen? Wie trägt er zur Verwirklichung der Agenda 2030 bei und welche Bedeutung hat er sozioökonomisch? Um diese Fragen ging es am 26. Oktober 2021 bei unserem Online Seminar im Rahmen unserer Initiative „Globale Corona Solidarität NRW“ mit einem sehr spannenden Panel und 36 Teilnehmenden. Prof. Jakob Zinsstag aus Basel, einer der Pioniere von One Health, erklärte am Beispiel von Nomaden im Tschad, wie er das Konzept entwickelt hat. Es geht darum, menschliche, tierische und die Gesundheit der Umwelt zusammenzudenken und transdisziplinär zu kooperieren. Ein hoher Anspruch, dem längt nicht alle Berufsgruppen aufgeschlossen gegenüberstehen. Umso wichtiger wäre es, schon mit dem Globalen Lernen im Schulalter die Bereitschaft dafür zu wecken.

Die “One Health Graduate School“ der Uni Bonn war mit Ana Perez Arredondo und Dr. Timo Falkenberg vertreten, die über ihre Arbeit und Forschungen zur Umsetzung in Ghana berichteten. Claudia Jenkes von der BUKO Pharmakampagne betonte die Wichtigkeit der One Health Perspektive anhand des Problems multiresistenter Keime am Beispiel Indien. Wir danken dem Eine Welt Beirat der Stadt Düsseldorf für die freundliche Unterstützung bei der Veranstaltung.

„SDG-Watch“ durch die Zivilgesellschaft

Datenbasiertes Monitoring auf 2030Watch.de

Der Web-Auftritt 2030Watch.de ist eine Bildungswebseite rund um das SDG-Monitoring. Die neue Webseite informiert über die vielfältigen Möglichkeiten, die Politik und Zivilgesellschaft haben, um den Umsetzungsstand der SDGs zu messen. Das Forum Umwelt und Entwicklung veranschaulicht damit die Bedeutung einer datenbasierten Begleitung der SDG. Gleichzeitig wird hier das Monitoring der Bundesregierung kritisch begleitet. „Langfristig soll hier ein vollumfängliches zivilgesellschaftliches SDG-Monitoring entstehen“ erläutern die Eileen Roth und Marie-Luise Abshagen vom Forum Umwelt und Entwicklung. Dem voraus ging das Modellprojekt 2030Watch als zivilgesellschaftliches SDG-Monitoring-Projekt, welches zivilgesellschaftliche Indikatoren zur Messung der SDGs entwickelte und Daten erhob.

Link zu 2030watch.de

Wissensportal zur Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeits-Fortschritte in Kommunen, NRW, Bund, Europa und UN

Photo by Louis Reed on Unsplash

Das Portal Nachhaltigkeit stellt grundlegende Informationen zur Nachhalten Entwicklung sowie Dokumente und Hintergrundinformationen zu Nachhaltigkeitsstrategien und -prozessen der verschiedenen politischen Ebenen bereit. Neben einschlägigen Strategiedokumenten, wie der Agenda 2030 oder der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie, sind auf den Seiten des Portals relevante Stellungnahmen und Impulse, zum Beispiel zu aktuellen Weiterentwicklungsprozessen, Berichte zum Umsetzungsstand Nachhaltiger Entwicklung sowie weiterführende Links zu finden. Für Interessierte mit Bedarf, sich die Grundlagen Nachhaltiger Entwicklung und ihrer strategischen Verankerung als Leitprinzip politischen Handelns anzueignen, gibt Portal N unter dem Reiter „Nachhaltige Entwicklung“ einen hilfreichen Überblick.

Link zum Portal Nachhaltigkeit

Eine Welt Netz NRW @ 2022
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