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El Salvador: Grundrechte gefährdet

Einschätzung der Menschenrechtsaktivistin Marta Benavides

Foto: Ralf Emmerich

Marta Benavides, Menschenrechtsaktivistin aus El Salvador, bei unserer Eine Welt Landeskonferenz, eingerahmt von Judith Petersen (links) und Monika Dülge vom Eine Welt Netz NRW

Unsere Kooperationspartnerin Marta Benavides aus El Salvador war Gast unserer Eine Welt Landeskonferenz. Sie berichtete Anfang Juli 2020 in einem Telefonat mit unserer Geschäftsführerin Monika Dülge von Menschenrechtsverletzungen durch das Militär: Am 22.März 2020 haben Sicherheitskräfte in El Salvador angefangen, den von der Regierung angeordneten Lockdown aufgrund der Corona-Pandemie durchzusetzen. Schon in der ersten Nacht wurden 269 Menschen im ganzen Land inhaftiert, weil sie sich nicht an die Quarantäneregeln gehalten haben. Seit der Notfallplan eingeführt wurde, rufen lokale zivilgesellschaftliche Organisationen die öffentlichen Behörden auf, ihre Macht verantwortungsvoll einzusetzen. Verfechter der Pressefreiheit verurteilen manche Einschränkungen während der Pandemie als Einschränkungen der Pressefreiheit und der journalistischen Arbeit.

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Menschenrechtsorganisationen werden öffentlich und online von der Regierung und dem Präsidenten angefeindet und beleidigt, nachdem sie sich kritisch zu den Verordnungen äußern. Sie sehen manche Maßnahmen als unverhältnismäßig, unberechtigt und menschenrechtsverletzend. Erika Guevara Rosa, Amerikanische Leiterin von Amnesty International schreibt beispielsweise, „dass die ernste Lage der Pandemie nicht mit Regierungsmaßnahmen gelöst werden kann, die Respekt und die Einhaltung der Menschenrechte ausschließen.“ Sie findet auch, dass „der Kampf gegen die Pandemie eine Menschenrechtsangelegenheit ist und der Einsatz von zivilgesellschaftlichen Organisationen, die versuchen die Reaktionen der Regierung zu verbessern, nicht mit öffentlicher Brandmarkung bestraft werden sollten.“

Am 13.März 2020 wurde die Menschenrechtsaktivistin Montserrat Arévalo Alvarado online angefeindet, nachdem sie die mangelnden Hygienebedingungen der Menschen in Quarantäne während der Pandemie kritisiert hat. Die meisten beleidigenden Antworten nahmen Bezug auf den Präsidenten Nayib Bukele und verlangten von der Menschenrechtsaktivistin, sich nicht in Regierungsangelegenheiten einzumischen.

Im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie gibt es einige Berichte über Behinderungen der journalistischen Arbeit in El Salvador: das Militär forderte beispielsweise einen Radiosender auf, Inhalte zu löschen, die sich mit den Regierungsmaßnahmen zu Covid-19 auseinandersetzten und während Pressekonferenzen dürfen Journalist*innen keine Fragen zu Gesundheitswesen und Notfallmaßnahmen stellen – das schränkt die Pressefreiheit unrechtsmäßig ein.

Übersetzung: Lea Mürdter

Ecuador: Indigene sind alarmiert

CONAIE: „Das könnte das Ende der Indigenen bedeuten“

Foto: Ecuarunari

Ein Bild, das sich in den vergangenen Tagen in ganz Ecuador wiederholt hat: Mitglieder einer indigenen Gemeinde blockieren die Eingänge zu ihren Territorien

Die Angst vor einer möglichen Infektion mit dem neuartigen Corona-Virus hat die Indigenen Ecuadors in Aufruhr versetzt. Sie fordern vom nationalen Krisenstab, in die jeweiligen Gremien einbezogen zu werden. Auf dem Spiel stehe ihr Überleben. Von der aktuellen Pandemie, die derzeit den Planeten zu grossen Teilen lahmgelegt hat, sind die Indigenen besonders gefährdet, auch jene in Ecuador.  Das berichtet am 31. März 2020 das Journalisten-Netzwerk Mutantia.ch, eine Plattform für kritische und konstruktive Beiträge, mehrheitlich von außerhalb Europas. Der Redaktionssitz von mutantia.ch befindet sich in Ecuador. „Angesichts der multiplen Krisen unserer Zeit und der eintönigen Auslandsberichterstattung in den Massenmedien erachten wir es als unsere Aufgabe, ein Gegengewicht zu schaffen.“ Sie zitieren aus einem Schreiben der Confederación de Nacionalidades Indígenas del Ecuador (Conaie) vom 26. März 2020 an Ecuadors Staatspräsidenten Moreno.

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Die Geschichte habe gezeigt, dass indigene Völker bei Epidemien besonders gefährdet seien und dass die Krankheit COVID-19 diesbezüglich keine Ausnahme darstelle. „In diesen Bevölkerungsgruppen“, schreibt die Conaie, „könnte es zu einer hohen Sterblichkeit kommen, und wenn die Pandemie die in freiwilliger Isolation lebenden Indigenen erreicht, besteht das Risiko, dass diese Gruppen aussterben. […] Die Ernsthaftigkeit des Problems wird dadurch verschärft, dass es bisher an Maßnahmen zur Eindämmung fehlt, die den geographischen und kulturellen Gegebenheiten der comunidades entsprechen.“

Link zum vollständigen Beitrag bei mutantia.ch

Berichte von Partnern aus dem Bündnis "Global Call Against Poverty"

Die Eine Welt Landesnetzwerke in Deutschland übernehmen die Aufgabe einer „National Coalition“ im weltweiten Bündnis „Global Call Against Poverty (GCAP)“, das sich für die Nachhaltigkeits-Entwicklungsziele der Vereinten Nationen einsetzt. Ein Teil der hier veröffentlichten Länder-Stellungnahmen stammt von den Partnern dieses Bündnisses.

Link zur GCAP-Website mit den Original-Berichten (englisch)

 

 

Kolumbien: Balkon-Bingo per Megafon

Absoluter Hausarrest und doch keine Isolation

Foto: Stefanie Hoppe

Leben auf engstem Raum: Favela in Kolumbien

Die Regierungen vom Land und den Departamentos haben drastische Maßnahmen ergriffen. Ein weitreichendes Ausgangsverbot ist eine davon. Menschen über 65 Jahre und Menschen unter 18 Jahren haben absoluten Hausarrest, ohne jede Ausnahme. Zu Hause bleiben, um einer Ansteckung zu entkommen, die Idee der Isolation in einer angemessenen Anzahl Räume, ist in Kolumbien eine Illusion, eine soziale Lüge – und nicht nur, weil die Menschen, die im Homeoffice und auf einem Balkon arbeiten, vernichtend wenige sind. Nicht nur Indígenas leben in großen Familiengruppen zusammen, auch auf den Dörfern, dem Land ist Gemeinschaft gleichzeitig kulturelles, soziales und wirtschaftliches Bedürfnis, eine Notwendigkeit mehr noch in den Städten, in den Elendsvierteln, bei den Inlandsvertriebenen, den Opfern des Konflikts, den Armen und Arbeitern; es wird nah zusammengelebt, auf engem Raum.

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Aber Kolumbien wäre nicht Kolumbien, würden die Menschen nicht dem Tod ein Schnippchen schlagen, dem Virus ins Gesicht lachen und das Leben feiern, weil das nur im Leben geht. Die größte Schnapsfabrik des Landes produziert reinen Alkohol zur Desinfektion von Krankenhäusern. Studierende an Universitäten entwickeln Beatmungsgeräte, die günstig national zu produzieren sind. Bauern liefern direkt und ohne Zwischenhändler an Supermärkte und Privathaushalte. Ganze Straßen spielen abends Bingo zusammen, ohne dafür die Häuser verlassen zu müssen, auf den Balkonen, per Megafon auf der Straße konzertiert und organisiert.

Bericht von Dr. Anne Stickel aus Medellin

Nicaragua: kein Vertrauen in Regierung

Solingen- Jinotega: Digitaler Austausch statt Bürgerreise

Photo by Hermes Rivera on Unsplash

Engagierte aus Solingen haben ihre Partnerorganisation La Cuculmeca um einen Bericht zu Corona in Nicaragua gebeten. Anfang April kam die Mail von Gema Velasquez Valdivia. Sie arbeitet in der La Cuculmeca und hatte letztes Jahr die Möglichkeit über den Konkreten Friedensdienst Reverse drei Monate die Arbeit des Forums Soziale Innovation in Solingen kennenzulernen, neue Projekte mit zu planen und Kooperationsbeziehungen aufzubauen. Man steht weiterhin in engem Austausch. Eine geplante Bürgerreise des Fördervereins Städtefreundschaft mit Jinotega e.V. zur Partnerorganisation im Sommer 2020 muss aufgrund der aktuellen Situation leider abgesagt werden. Es werden jedoch digitale Ideen zu alternativen Möglichkeiten des Austauschs entwickelt.

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Insbesondere der Förderverein Solingen unterstützt weiterhin intensiv die Arbeit vor Ort – die insbesondere in diesen schwierigen Zeiten umso wichtiger für die Menschen ist. „In der Bevölkerung hat sich angesichts dieser Situation Ungewissheit ausgebreitet, denn die Regierung hat nicht dazu aufgerufen, strenge Maßnahmen zu ergreifen, wie es die Nachbachländer gemacht haben. Außerdem fehlen Informationen bezüglich der Anzahl der durchgeführten Tests, sowie der Überwachung verdächtiger Fälle. Nicaragua kommt aus einer durch die politischen Konflikte erzeugten wirtschaftlichen Rezession, die dazu geführt hat, dass das Armutsniveau auf 29% gestiegen ist. Wenn wir die wirtschaftlichen Auswirkungen addieren, die die Covid-19 Pandemie mit sich bringen wird, wird das Armutsniveau in Nicaragua weiter steigen.“

Kontakt:
Sophia Merrem
Eine-Welt-Promotorin für das Bergische Land
FSI Forum für soziale Innovation gGmbH
Opferfelder Str. 22
42719 Solingen
Telefon: 0212 2307989
Mobil: 0163 6193827

s.merrem@remove-this.fsi-forum.de

www.forum-fuer-soziale-innovation.de

Link zum Download der Übersetzung des Berichtes

Link zur Website von La Cuculmeca


Peru: Gesundheit für Indigene sichern

Brief vom Movimiento Ciudadano frente al Cambio Climatico

Photo by Joe Green on Unsplash

Auch in den Städten Perus sind die Straßen leerer als sonst

Am 25. März 2020 hatten die Menschen in Peru bereits 15 Tage Isolation hinter sich. Mit einem Notstandserlass und Maßnahmen, die den Menschen Zugang zu Lebensmitteln und Arbeit von Zuhause aus gewährleisten, will die peruanische Regierung die Ausbreitung des Corona-Virus eindämmen. Besonders die Menschen, die in Armut leben, diejenigen in ländlichen Gegenden und die indigenen Völker müssen in diesen Zeiten unterstützt werden. „Menschenrechte und der Zugang zu Gesundheit müssen in der gesamten Politik an erster Stelle stehen“, betont Osver Polo, Mitglied der Movimiento Ciudadano frente al Cambio Climatico (Bürgerbewegung im Kampf gegen den Klimawandel) in Peru. Er sieht das Virus als „Warnung für die zukünftigen Krisen, die wie der Klimawandel auch kommen werden.“ Offen bleibe die Frage, wie gut die Länder darauf vorbereitet sind und wie global zusammengearbeitet werden kann.
Übersetzung: Lea Mürdter

Honduras: Kein Einkauf ohne Kreditkarte

Maritza Paredes mailt aus San Pedro Sula nach Düsseldorf

Photo by Carli Jeen on Unsplash

Alltag an einem Markt in Honduras

 „Honduras befindet sich im Chaos“, berichtet Maritza Paredes aus San Pedro Sula an den Nicaragua-Verein Düsseldorf. In einigen Städten herrscht eine zunächst unbefristete Ausgangssperre, in Städten mit Corona-Fällen waren Supermärkte und Apotheken zeitweise komplett geschlossen. Die Banken sind geschlossen. Es gibt also keine Möglichkeit an Bargeld zu gelangen, viele arme Menschen besitzen keine Kreditkarte und können somit nicht einmal die lebenswichtigen Besorgungen machen. „Das Problem ist, dass viele Menschen sich nicht vorbereiten, keine Lebensmittel oder Medikamente kaufen konnten, und wenn das so weitergeht, wird es kompliziert werden“, erklärt Maritza. Auch die Krankenhäuser sind nicht auf das Virus vorbereitet. Den Menschen wird geraten, besser zu Hause zu bleiben als dort hinzugehen.

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So sollen sie sich nicht anstecken und die Gesundheitsversorgung soll vor dem Zusammenbruch bewahrt werden. Die Berichterstattung in den Medien ist sehr fragwürdig: „Die Medien respektieren die Privatsphäre nicht.“ Infizierte Patient*innen werden teilweise öffentlich bloßgestellt und verfolgt, um Informationen zu erhalten. Stadtviertel, in denen sich möglicherweise infizierte Personen befinden, werden von Militär und Polizei abgeriegelt. „Es kann also sein, dass du über Nacht deine Nachbarschaft abgeriegelt vorfindest.“ Nur in lebensmittelverarbeitenden Betrieben, bei der Herstellung von medizinischen Produkten und wenigen Dienstleistungsbetrieben darf noch gearbeitet werden. „Es ist Verzweiflung, die diese Menschen Tag für Tag erleben.“

Eine Welt Netz NRW @ 2020
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