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Digitalisierung und Eine Welt Arbeit

Foto: Manfred Belle (2018)

Auch in Ruanda gibt es große Unterschiede in der Digitalisierung zwischen Stadt und Land. Im ICT Telecentre T-COMMIT in Byangabo im Norden Ruandas trägt eine lokale Initiative zur IT-Qualifizierung bei. Hier muss viel mehr improvisiert werden als in den modernen Co-Working-Spaces in der Hauptstadt Kigali. Allerdings ist die Netzabdeckung auf dem Land in Ruanda erfahrungsgemäß besser als bei uns z.B. in der Eifel.

Die Digitalisierung gilt vielen als die größte gesellschaftliche Transformation unserer Zeit. Politik und Wirtschaft fordern, dem Pfad der technologischen Entwicklung zu folgen und das Know-how und die Infrastruktur dafür auszubauen. Afrika steht für die Probleme der Digitalisierung ebenso wie für die Hoffnungen, die mit ihr verbunden sind. Engagierte zeigen die Katastrophen-Bilder vom Koltan-Abbau im Kongo und von der Elektro-Schrotthalde Agbogbloshie in Ghana. Das Entwicklungsministerium zeigt optimistische Bilder moderner Co-Working-Spaces der IT-Entwickler in Kigali oder Nairobi. Alle diese Bilder sind wahr, doch sie zeigen nur Ausschnitte einer vielfältigen und widersprüchlichen Wirklichkeit. Die Digitalisierung bietet großartige Chancen und gleichzeitig ist sie eine große Herausforderung. Digitalisierung – das steht bei weiten Teilen der Eine Welt Bewegung noch nicht angemessen im Fokus.

Doch das verändert sich...

Link zur digitalen Agenda des Entwicklungsministeriums BMZ

Download Glossar "Digitalisierung in der Entwicklungszusammenarbeit"

Download des VENRO-Reports "Tech for Good" (2019)

 

Euphorie zur IT

Medien berichten teilweise euphorisch über die IT-Szene in einigen afrikanischen Ländern.  Die Aufmerksamkeit der Medien entstand während des „arabischen Frühlings“. Die Aufständischen in Tunesien, Ägypten, Iran, Marokko und anderen Ländern nutzen die mobilisierende Wirkung der neuen sozialen Medien auf eine Art und Weise, die die Eine Welt Bewegungen in den industrialisierten Ländern ausgesprochen überraschte.

Digitale Medien wie facebook, whats app, snapchat usw. ließen sich als Informations- und Kommunikationskanäle nutzen, die für die herrschenden politischen Systeme gefährlich wurden. Mittlerweile haben die jeweiligen staatlichen Sicherheitskräfte reagiert und eine weitgehende Überwachung des Internets und der digitalen Medien installiert. Aber die Aufstände motivierten Menschen in afrikanischen Ländern dazu, sich intensiver mit den Möglichkeiten der neuen Technologien auseinanderzusetzen.

Seit diesen Ereignissen wird Afrika auch als ein Kontinent wahrgenommen, der nicht nur durch Armut, schlechte Regierungsführung, Korruption und als Ausgangspunkt von Migration nach Europa gekennzeichnet ist, sondern als ein Kontinent, der wichtige technologische Innovationen hervorbringt.

 

Start-Up Rummel in Afrika

  • In Nairobi sitzt das IT Unternehmen Safaricom mit über 3.000 Mitarbeitern. Safaricom kooperiert mit Dutzenden anderen IT-Unternehmen, die die Gesundheitsversorgung Afrikas massiv verbessern (M-Health), die sich um Bildung kümmern und die für Farmer spezielle Apps wie M-Farm entwickelt haben.
  • Sehr bekannt ist die 2007 in Betrieb gegangene Safaricom-Tochter „M-Pesa“. Es ermöglicht Geldtransfers auch über veraltete Handys. Auf diese Weise können die Nutzer von M-Pesa Geld auch in die entlegensten Gebiete schicken, wo man sich dann am Kiosk bar auszahlen lässt. M-Pesa hat rund 30 Millionen Kunden und ist das erfolgreichste Mobilfunk-Bezahlsystem der Welt.
  • Die Bildungs-App „Brainshare“ in Uganda ermöglicht gemeinsames Lernen in interaktiven Schulzimmern.
  • In Ghana wurde eine digitale Jobbörse entwickelt. Sind Angebot und Gesuch kompatibel, werden beide Parteien automatisch per Email oder SMS informiert.
  • Seit 2012 gibt es den Internetversandhandel „Jumia“ aus Nigerias Hauptstadt Lagos.
  • In Kenia vertreibt das Unternehmen M-Kopa Solarstromanlagen. Inzwischen hat die Firma über 20.000 Kunden, die das Angebot, eine Solaranlage auf Ratenbasis zu erwerben, in Anspruch genommen haben. Die täglich fälligen umgerechnet 40 Cent werden über das mobile Bezahlsystem M-Pesa beglichen.
  • Das nigerianische Unternehmen CarPartsNigeria unterhält einen Onlineshop für Auto- und LKW-Teile aller Art, ein Portal, das dem Nutzer das rasche Auffinden von Werkstätten in der Nähe ermöglicht. Außerdem kann man hier Automobile verkaufen und versteigern.
  • Die südafrikanische Plattform „Bozza“ unterstützt afrikanische Musiker, Maler, Bildhauer, Schauspieler und Filmemacher bei der Publikation und der virtuellen Zurschaustellung ihrer Kunstwerke. Hier kommen Künstler mit ihren Kunden und Fans in Kontakt und können miteinander kommunizieren.

AFROTOPIA: Digitalisierung und Ubuntu

Anfang 2019 wurde das Buch „Afrotopia“ des senegalesischen Wirtschaftswissenschaftlers Felwine Sarr in Deutschland veröffentlicht. Er wurde bekannt dadurch, dass er 2018 für Emmanuel Macron den Bericht zur Rückgabe französischer Raubkunst nach Afrika vorgelegt hat. Sein Manifest „Afrotopia“ beschreibt, dass Afrikas ausbleibende Erfolge in westlichem Wirtschaften seinen Grund darin habe, dass dieses Wirtschaftssystem im Konflikt stehe mit Afrikas Kultur und Lebensphilosophie.
Die bekannteste afrikanische Lebensphilosophie ist für viele „Ubuntu“. Das bedeutet in etwa „Menschlichkeit“, „Nächstenliebe“ und „Gemeinsinn“ sowie die Erfahrung und das Bewusstsein, dass man selbst Teil eines Ganzen ist.
Ubuntu wurde auch als Titel gewählt für ein Betriebssystem auf Linux-Basis, das seit 2004 von einem Unternehmen aus Südafrika entwickelt wird. Die Münchner Stadtverwaltung hat 2010 von Windows zu Ubuntu und Linux gewechselt. Die LVM Versicherung in Münster setzt seit 2011 Ubuntu ein.  Man kann auch seine online-Steuererklärung mit dem Programm ELSTER auf Ubuntu machen...

Lässt sich die Ubuntu-Lebensweise wirklich so einfach mit der Digitalisierung verbinden oder ist die Digitalisierung nur ein weiterer Durchgang nachholender Entwicklung, der ebenfalls scheitern und zur Verfestigung ungerechter Strukturen führen wird?


Digitale Agenda 2030

Seminar am 5. und 6. September 2019 in Münster

Foto: Presseamt Münster / Joachim Busch

Unser Seminar findet in Münster statt. Der binäre Code für "Fahrrad" lautet: 01000110011000010 11010000111001001 11001001100001011 00100

Zahlreiche Eine-Welt-Organisationen in Deutschland engagieren sich auf vielfältige Weise für die Realisierung der 17 Nachhaltigkeitsziele (Sustainable Development Goals, SDG). Sie machen Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit, Lobbyarbeit, sammeln Spenden und unterstützen ihre Partner in den jeweiligen Projektländern. Praktisch überall kommen dabei auch digitale Werkzeuge zum Einsatz. Doch von einer Strategie neue Technologien zu nutzen, sind viele noch weit entfernt. Aber was heißt das überhaupt: Digitalisierungsstrategie? Überall werden Digitalisierungsstrategien entwickelt: in Bund und Ländern, Firmen und Unternehmen, Universitäten und Hochschulen usw. usf. Ist das nur ein Hype oder steckt mehr dahinter? Brauchen auch entwicklungspolitische Organisationen eine Digitalisierungsstrategie? Und wenn ja, wie sollten sie vorgehen?

Download des Programms

Link zum Tagungshaus mit Programm und Möglichkeit zur Anmeldung

Ghana und unser Ressourcenverbrauch

Unsere Wanderausstellung zur Partnerschaft Ghana-NRW

Große Elektroschrott-Halde in Ghana

© Michael Marwede

Diese Wanderausstellung entstand im Jahr 2016 anlässlich des neuen Vertrags zur Partnerschaft zwischen Ghana und Nordrhein-Westfalen.
Sie gibt Einblicke in die Zusammenhänge von Konsumverhalten und Ressourcenverbrauch.
Sie zeigt, wie wichtige Rohstoffe in Ghana gewonnen werden und was dort mit Elektroschrott passiert, der auch aus Europa stammt.
Gleichzeitig werden die negativen Auswirkungen für die Menschen und die Umwelt in Ghana deutlich. Tipps für nachhaltigen Konsum zeigen und kreative Initiativen aus NRW machen deutlich, wie Beiträge zum Ressourcenschutz geleistet werden können.


Download
Info-Faltblatt zur Ausstellung als pdf hier.

Download der Motive der Ausstellung als pdf hier.

 

Die Ausstellung kann beim Eine Welt Netz NRW in Münster ausgeliehen werden:

Manfred.Belle@remove-this.eine-welt-netz-nrw.de

Tel. 02 51 - 28 46 69 -12

Link zur Fotogalerie und mehr Informationen.

Eine Welt Netz NRW @ 2019
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